Zur Tagung „Öffentlichkeit, Medien und Politik – Intellektuelle Debatten und Wissenschaft im Zeitalter digitaler Kommunikation“

Am 14. und 15. Februar 2011 fand am Kulturwissenschaftlichen Institut (KWI) in Essen die Tagung „Öffentlichkeit, Medien und Politik – Intellektuelle Debatten und Wissenschaft im Zeitalter digitaler Kommunikation“ statt, zu der ich als Teilnehmerin einer „Delphi-Runde: Digitale Wissenschaftskommunikation – Drei Generationen der Mediennutzung“ (Moderation: Claus Leggewie, Cornelius Puschmann) eingeladen war.

Von links nach rechts: Claus Leggewie, Felix Lohmeyer, Jens Klump, Stephan Humer, Sonja Palfner, Jan Schmidt, Manfred Thaller, Patrick Sahle, Jan Schmirmund, Cornelius Puschmann und Björn Brembs. Copyright: KWI / Foto: Georg Lukas

Das Thema „Digitale Wissenschaft“ wurde – wie der Titel der Tagung schon vermuten lässt 😉 – stärker unter kommunikativen Aspekten beleuchtet. Inwieweit beispielsweise die Arbeit in virtuellen Forschungsumgebungen die Produktion von wissenschaftlichem Wissen verändert, war kein Thema. Vermutlich lag diese Ausrichtung auch an den konkreten Erfahrungen der Konferenzteilnehmer/-innen. Mittlerweile nutzt wohl fast jede/-r  digitale Kommunikationsmöglichkeiten – aber wer arbeitet in der Erkenntnisproduktion mit spezifischen Computerprogrammen? Das schließt an eine Anmerkung zur disziplinären Zusammensetzung der Tagung gut an. Im Schwerpunkt waren Geistes- und Sozialwissenschaftler/-innen vertreten. Stimmen aus den Natur- und Technikwissenschaften gab es kaum. Dass E-Infrastruktur heute für die Wissenschaft unverzichtbar geworden ist, war wohl Konsens auf der Veranstaltung. Was aber unter Infrastrukturarbeit und was unter Forschungspraxis zu verstehen ist, wo die Grenzen (warum) gezogen werden oder wie sich beide Sphären aufeinander beziehen,  diese Fragen müssen wohl auf kommenden Veranstaltungen zum Thema „Digitale Wissenschaft“ diskutiert werden. Und in der Kürze eine letzte Bemerkung: Mir ist vor allem eine Erzählung zum Wandel der Arbeitsweisen in den Geisteswissenschaften aufgefallen, die ich mit einem Fragezeichen versehen würde. Diese Erzählung geht in etwa so: Früher haben die Wissenschaftler solitär vor sich hin gearbeitet und heute – dank neuer Technologien – ist ein anderes, kollaboratives Arbeiten möglich. Ich würde eine solche Erzählung als eine genealogische Praxis verstehen, die – nicht ausschließlich, aber auch – zur Selbstversicherung des eigenen (digitalen) Handelns beiträgt, indem eine Vergangenheit konstruiert wird, von der man sich absetzen kann. Damit will ich nicht sagen, dass es keine Unterschiede gäbe – doch meine ich, dass ein genaueres historisches Hinsehen produktiver wäre. So fällt mir sofort die Arbeit von Ludwik Fleck zur Entstehung wissenschaftlicher Tatsachen ein, wo er die Produktion wissenschaftlichen Wissens als eine soziale Praxis im Denkkollektiv beschreibt. Was für eine Vergangenheit konstruieren wir also?

Podcasts der Beiträge (nicht vollständig) zur Tagung sind online unter http://www.kwi-nrw.de/home/audiovortrag.html zu finden.
Außerdem hat Cornelius Puschmann ausführlich zur Tagung gebloggt:
http://blog.ynada.com/452
http://blog.ynada.com/570

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