„Für den Saft brauche ich eben eine Orange.“

Dieser Satz stammt von David Gelernter und ist einem SPIEGEL Interview (DER SPIEGEL Nr. 8, 21.02.2011) entnommen.

Gelernter wird zur „Intelligenz“ von Computern gefragt – Anlass ist der Einsatz des IBM-Rechners „Watson“ in der Quizshow „Jeopardy“ am 16. Februar 2011 (siehe hierzu auch den Artikel auf heise online „IBM-Supercomputer gewinnt Quizshow“).

Was Computer können und was sie können sollen ist Thema. In den Wissenschaften und unter dem Label „E-Science, Digital Humanities…“ wird der Einsatz des Computers und sein Platz in der wissenschaftlichen Arbeit diskutiert. Führt der Einsatz neuer digitaler Werkzeuge zu neuen Erkenntnissen? So lautet das Versprechen.

So banal es klingt, aber ich denke, dass „der Computer“ vielleicht auch etwas ganz anderes ermöglichen kann: die „Rehabilitation“ des Menschen, der keine Maschine ist –  „Für den Saft brauche ich eben eine Orange“ (Gelernter). Nein, es geht mir nicht um Technikfeindlichkeit – langweilig. Auch interessiert mich gerade nicht, was der Computer in Zukunft können wird. Es geht um das profane Hier und Jetzt wissenschaftlicher Arbeit. Fakt ist, Computer sind in vielen Bereichen nicht mehr wegzudenken – warum auch? Es ist offentlichtlich, dass der Computer Leistungen erbringen kann, die über unser menschliches Maß hinausgehen. Man denke an die Geschwindigkeit, mit der Rechenoperationen großer Klimasimulationen durchgeführt oder große Textsammlungen nach bestimmten Wörtern durchsucht werden. Höher, schneller, weiter…

Es bleibt ein „menschlicher Rest“, der – und darum geht es – nicht hinter der Maschine verschwinden darf. Eher müssen die Verbindungen anders hergestellt werden. Das gilt auch für die zwischenmenschlichen Beziehungen – ich denke hier an die Menschen, die das Funktionieren des Computers überhaupt erst ermöglichen. Auch „Watson“ ist nicht alleine.

„Füttern Sie Watson ruhig mit Keats. Da liest er dann „Mein Herz tut weh, und schläfriges Erlahmen quält mich“. Was um Himmels willen soll ihm das denn bedeuten? Wenn ein Poet „mein Herz tut weh“ schreibt, entspringt das einem Gefühl mitten in der Brust. Oder ein „schläfriges Erlahmen quält mich“: Watson war niemals schläfrig oder wach, er weiß auch nicht, was Schmerz ist. Er versteht nichts von Poesie. Natürlich könnte er immer noch „Jeopardy“ gewinnen, etwa in der Kategorie „Britische Dichter“. Auch Literaturwissenschaft basiert auf einer Menge Daten, mit denen ein Computer nun mal sehr gut umgehen kann. Aber es ist und bleibt ein großer Schwindel.“ (Gelernter)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: