.hist 2011 – Geschichte im digitalen Wandel

Vom 14.-15.September 2011 fand an der Humboldt-Universität Berlin die .hist 2011 Konferenz statt. Unser Projekt war auf der Posterausstellung vertreten. Neben Vorträgen und Werkstattberichten war die Konferenz auch Rahmen für das 15-jährige Jubiläum von H-Soz-u-Kult, dem Fach- und Kommunikationsforum für die Geschichtswissenschaften, und dem einjährigen Bestehen von „L.I.S.A. – Das Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung“ .

Die Vorträge waren inhaltlich in vier Sessions organisiert. Parallel liefen die Werkstattberichte, i.e. Präsentationen unterschiedlichster Projekte aus der digitalen Geschichtswissenschaft. Abstracts der Sektionen und Werkstattberichte sind online

In der Sektion „Virtuelle Forschung und Geschichtswissenschaften 2.0“ referierte der Medienwissenschaftler Stefan Münker seine These über den Status Quo des digitalen Wandels: Digitalisierung versetze uns in einen Zustand jenseits der Technik. Erst die Art und Weise der Nutzung sei entscheidend für das qualitativ Andere des digitalen Wandels in der Forschung: „It’s the practice, stupid“. Manfred Thaller, der „Nestor der Computer Science in den Humanities“ (Hohls), erläuterte seine Überlegungen zu eScience, der „mechanistischen Übernahme“ der entsprechenden Begriffe und Konzepte aus den Hard Sciences und fragt u.a. nach der Bedeutung der „mobilen Revolution“ in der historischen Entwicklung von virtuellen Forschungsumgebungen. In seinem Modell der historischen Forschung können virtuelle Forschungsumgebungen Praktiken wie Transkription oder Edition unterstützen. Inwieweit virtuelle Forschungsumgebungen bzw. Service-Einrichtungen aber die intellektuell-analytische Forschungstätigkeit der Historiker unterstützen können, ist seiner Ansicht nach noch offen. Torsten Reimer gab einen Überblick über Stand und Entwicklung der Förderprogramme von JISC in Großbritannien, u.a. eine Geschichte des Ressourcenkampfes zwischen Forschung, Lehre und Infrastrukturen dafür.

In der Sektion „Digitale Quellenkritik und Data Driven History“ ging Eva Pflanzelter von der Quellenkritik als Nadelöhr des historischen Erkenntnisprozesses aus und stellte die Garantie für eine „Echtheit“ von Primär- und Sekundärquellen im Internet kritisch zur Diskussion. Theo Röhle referierte über „Hypes“ und „Konjunkturen“ in der Entwicklung quantitativer Methoden in den Geisteswissenschaften und betonte die enge, ggf. auch produktive Wechselwirkung zwischen Theorie-Diskussion und (technischer) Praxis .

In der Sektion „Narrativität und Medialität“ gab Markus Krajewski Einblick in die Funktionen seines individuellen digitalen Zettelkastens und zeigte die Zusammenhänge zwischen der Entwicklung der Anwendung und der Leitthesen für sein aktuelles Forschungsprojekt auf.

In der Sektion„ Grenzverschiebungen zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit“ wurden Fragen nach den Machtverhältnissen und der „Interpretationshoheit“ an der Grenze zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit  diskutiert. Dabei dominierte vorallem der pessimistische Tenor, als man über den „Abschiedsschmerz vom Elfenbeinturm“, der „öffentlichen Inszenierung von Wissenschaft“ oder der „Instrumentalisierung von Öffentlichkeit in der Antragslyrik“ sprach. Michael Hengstenberg berichtete von  einestages.de, dem Zeitgeschichte-Portal von Spiegel Online. Hier muss eine redaktionelle Steuerung natürlich nicht nur die fachwissenschaftlichen, sondern auch die betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkte berücksichtigen. Aber auch rein fachwissenschaftlich getriebene Projekte stehen unter Druck der öffentlichen Aufmerksamkeit bzw. der alles dominierenden Relevanz-Frage der Geisteswissenschaften. Maren Lorenz spielte den Advocatus diaboli und stellte im Kontext der „Aufmerksamkeits-Ökonomie“ des Internet die Frage an die Historiker: Definieren wir unsere Ziele noch selbst?

 

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