Hope-, Hype- and Fear-Technologies@TAB

Die jährliche Konferenz der EPTA (European Parliamentary Technology Assessment) fand dieses Jahr am 20.10.2011 im deutschen Bundestag statt, veranstaltet vom Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB). (Mehr zu EPTA )

Dieses Jahr standen drei unterschiedliche Fallstudien der Technologie-Entwicklung im Mittelpunkt:

  • Nanotechnologie
  • Internet/Cyber-Democracy sowie
  • Geo-/Climate Engineering

(siehe auch Programm und Einführung)

Diesen Technologie-Entwicklungen ist eines gemeinsam: der gesellschaftliche Diskurs darüber schwankt zwischen „Hope“ (Technologie als Lösung), „Hype“ (Technologie als Heilsbringer) und „Fear“ (Technologie als apokalyptische Vision). Wobei sich mir bis zum Schluß die Frage stellte, ob es denn überhaupt eine „normale“ (im Sinne von „neutraler“) Technologie gibt…

Die inhaltlich sehr unterschiedlichen Diskussionen drehten sich im Wesentlichen um die Fragen:
Sind HOPE, HYPE oder FEAR in manchen Fällen gerechtfertigt?
Wissen wir genug um die Auswirkungen der jeweiligen Technologie auf die Gesellschaft?
Was fehlt an wissenschaftlichen Fakten oder politischen Taten, um zu verhindern, dass sich HOPE in HYPE verwandelt, oder FEAR jegliches Technologie-Potential hemmt?
Und der Verbraucher – ignorant, uninformiert oder erstmal eine vernachlässigbare Größe?

Die Diskussion zur Nanotechnologie zeigte, dass die Politik „Fakten“ und „belastbares“ Wissen für ihre Entscheidungen von der Wissenschaft einfordert: durch den Mangel an einheitlichen Prüf- und Messmethoden in der Sicherheitsforschung komme es zu einer heterogenen Datenlage, die politische Entscheidungen unmöglich mache. Insbesondere in der Nanotechnologie scheint es je nach nationaler Legislative unterschiedliche Definitionen von „Nano“ zu geben, was sich an den Diskussionen zu dem umstrittenen neuen Chemikalienrecht der Europäischen Union (REACH) zeigte.

Besonders interesssant war der Verlauf der Diskussion zu Internet und Cyberdemocracy: War zunächst als technokratische Diskussion zu beobachten war, inwieweit das Internet als politisches Tool genutzt werden kann, endete mit  der offenen Frage, was direkte Demokratie überhaupt noch bedeuten kann – mit oder ohne Internet.
Internet hat keine demokratische Qualität per se, sondern entscheidend ist, in welchem Kontext es genutzt wird, oder besser: genutzt werden kann. In diesem Zusammenhang wurde eine Studie des flämischen Parlaments vorgestellt, die den Trend vom „digital divide“ (durch Mangel an Internetzugang) zur „digital exclusion“ (durch mangelnde Fähigkeiten im Umgang mit der Technologie) untersucht hat: Das soziale Ungleichgewicht zwischen den „empowered“ und „non-empowered“ nimmt zu. (Mehr zur Studie)

Climate-und Geo-Engineering ist ein relativ neues Thema für die TA, und ein großes moralisches Dilemma: Darf/Soll/Muss der Mensch in geo-bzw. biogeochemische Kreisläufe eingreifen, um mögliche Klima-Katastrophen einzudämmen? Führt Geo-Engineering die Erziehung für ein globales Klima-Bewusstsein ad absurdum? Und wie könnte eine Risiko-Abschätzung auf globalem Level überhaupt organisiert werden? Simulationen stoßen hier an die Grenzen der Skalierbarkeit theoretischer Modelle, und den Planeten Erde gibt es auch nur einmal, was Testläufe schwierig macht.
Deutlich war in dieser Diskussion, dass es noch keinen internationalen Konsens, geschweige denn Argumentationsstrategie gibt, weder für noch gegen Geo-Engineering: die Wissenschaftler stehen zunächst vorallem vor einer ethischen Frage, außerdem fehlen belastbare Risikoeinschätzungen zu bewussten Eingriffen in das Ökosystem. Hier wurde auch der Ruf nach der reinen Wissenschaft laut: Grundlagenforschung sei frei, und aus diesem Grund auch von dem ethischen Dilemma befreit. Ich fürchte, dass es einige anwesende Wissenschaftler gab, die das nicht wirklich befriedigt hat: Es gab deutlich kritische Wortmeldungen zu Sinn und Nutzen von Geo-Engineering. Jan Staman fasste diesen Konflikt in seinem Schlußwort etwa so zusammen: Ja, wir müssen dazu forschen. Ja, wir wollen es nie anwenden. Ja, ich schäme mich als Wissenschaftler dafür.

 

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