Reflexive Räume in Forschungsinfrastrukturen – gestalten, öffnen, nutzen

Unser Projekt endet im Oktober 2013. Wir haben jetzt einen Antrag auf eine kostenneutrale Verlängerung für vier Monate gestellt.

Ziele:

In den beantragten vier Monaten werden zwei Ziele verfolgt.

  • Erstens soll der Ergebnisworkshop, der im Oktober mit dem DLR, dem BMBF und den Akteuren aus TextGrid und C3-Grid INAD stattfinden wird, ausgewertet werden. Dabei stehen erstens Fragen der Verwertbarkeit der Ergebnisse für Infrastrukturprojekte und zweitens Fragen der Verwertbarkeit für die Governance von Infrastrukturentwicklungen in den Wissenschaften im Zentrum des Interesses.
  • Die Ergebnisse dieser Auswertung und die Ergebnisse des Begleitforschungsprojektes sollen zweitens in die Konzeption und Gestaltung eines Moduls „Reflexive Räume in Forschungsinfrastrukturen – gestalten, öffnen, nutzen“ fließen. Die Konzeption und Gestaltung des Moduls „Reflexive Räume in Forschungsinfrastrukturen – gestalten, öffnen, nutzen“ wird den größten Anteil an den beantragten vier Monaten haben.

Inhaltliche Begründung:

Was ist unter einem solchen Modul zu verstehen und warum ist ein solches Modul in Infrastrukturentwicklungen erforderlich?

Ein Ergebnis des Begleitforschungsprojektes ist, dass Forschungsinfrastrukturprojekte – wie sie durch das BMBF gefördert werden – innerhalb ihrer Projektmodi keinen Raum besitzen, in welchem die Entwicklungen von den beteiligten Akteuren reflektiert werden können. Infrastrukturentwicklung ist ein komplexer und heterogener Prozess. Es wird nicht nur Technik entwickelt, sondern Infrastrukturentwicklung ist auch ein sozialer Prozess. Im Projektalltag ist jedoch für diese Dimension kaum Zeit und Raum. Ein Grund hierfür ist erstens, dass innerhalb der Projekte keine Instanz integriert ist, die über Kompetenzen aus dem Bereich der Wissenschaftsforschung verfügt. Dieses Wissen z. B. über Dynamiken in sozio-technischen Systemen und über Problemdimensionen heterogener Akteurskonstellationen wäre notwendig, um die reflexive Perspektive auf Infrastrukturentwicklung zu fördern. Dies kann nicht von Seiten der beteiligten IT-Experten, der Fachwissenschaftler oder des Managements erfolgen, da sie nicht über die Expertise der Wissenschaftsforschung verfügen. Konkret haben wir in unserem Begleitforschungsprojekt die Erfahrung gemacht, dass ein solches Angebot als bereichernd empfunden wird. Wir haben einen zweitägigen Workshop mit Teilnehmern aus TextGrid und C3-Grid INAD veranstaltet (siehe https://escience-interfaces.net/publikationen/). Dabei hat sich gezeigt, dass die Wissenschaftsforschung Konzepte und Perspektiven auf Forschungsinfrastrukturentwicklung bereitstellen und auch so aufbereiten kann, dass das Wissen von den Teilnehmern als wertvoll empfunden wird und zur Verbesserung der Projekte beitragen kann. Ein Teilnehmer äußerte beispielsweise, dass es für das eigene Infrastrukturentwicklungsprojekt gut gewesen wäre, wenn es einen solchen Workshop schon viel früher gegeben hätte. Insgesamt ist der Workshop von allen Teilnehmenden als eine Bereicherung empfunden worden.

Neben der fehlenden Expertise zur Öffnung eines reflexiven Raums ist vor allem ein Phänomen für das fehlen dieses reflexiven Raumes verantwortlich, das der Soziologe Luhmann als „Vordringlichkeit des zeitlich Befristeten“ beschrieben hat. Damit ist gemeint, dass alle Tätigkeiten, die nicht durch Termine und Fristigkeiten strukturiert sind, aus dem Arbeitsablauf ausgeschlossen werden. Zwar widmet sich Luhmann der Knappheit der Zeit in der politischen Planung, aber man kann seine Charakterisierung des Zeitproblems auf die in unserem Begleitforschungsprojekt untersuchten Infrastrukturentwicklungsprojekte übertragen. In Infrastrukturprojekten, die durch Milestones und Deliverables strukturiert sind und die in ihre Struktur keine Zeit für einen reflexiven Raum eingeplant haben, fällt dieser weg. Damit ist nicht gesagt, dass man sich nicht auf der Leitungsebene weiterführende Gedanken über die Infrastrukturentwicklung macht oder dass einzelne Akteure nicht darüber reflektieren. Aber es fehlt an einem zusätzlichen Angebot zur Erweiterung des eigenen Blicks, der in den Routinen des Arbeitsalltags spezifisch gelenkt wird. Daraus ergibt sich die Schlussfolgerung, dass Infrastrukturentwicklung einen reflexiven Raum in die eigene Projektstruktur integrieren sollte. Das zu erarbeitende Modul soll genau hierfür eine Möglichkeit bieten und die Expertise der Wissenschaftsforschung für Forschungsinfrastrukturen und ihr Gelingen bereitstellen.

Produkt:

Das Modul „Reflexive Räume in Forschungsinfrastrukturen – gestalten, öffnen, nutzen“ wird aus verschiedenen Einheiten bestehen: Erstens sollen sozialwissenschaftliche Texte mit relevanten Konzepten aus der Wissenschaftsforschung so aufbereitet werden, dass sie von fachfremden Akteuren auf die eigenen Problematiken in Forschungsinfrastrukturentwicklungen übertragen werden können.

Zweitens wird auf der Grundlage der empirischen Ergebnisse unseres Begleitforschungsprojektes Material generiert, das zur Reflexion der Prozesse in heterogenen Akteurskonstellationen einläd und für die sozialen Dynamiken sensibilisiert.

Unterschiedliche didaktische Formate werden für die Bearbeitung des Materials vorgestellt und zur Verfügung gestellt.

Adressaten:

Das Modul wird Forschungsinfrastrukturprojekten und Kompetenzzentren Lehr-Lern-Einheiten zur Verfügung stellen, die von Forschungsinfrastruktur-Akteuren zur Durchführung von Workshops genutzt werden können. Im Bereich der Geisteswissenschaften werden die Forschungsinfrastrukturen TextGrid, Clarin und Dariah adressiert. Ein weiterer möglicher Adressat sind die Digital Humanities Kompetenzzentren.

Das Modul so vorbereitet, dass die Inhalte durch die Projekte ohne fremde Hilfe benutzt werden können.

Da davon auszugehen ist, dass nicht alle Infrastrukturprojekte die gleichen Probleme und Herausforderungen besitzen, wird das Modul so aufgebaut, dass die Modul-Einheiten einzeln und je nach Bedarf eingesetzt werden können.

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