Werkstattgespräch: Infrastruktur und/als/oder/für Forschung? Perspektiven sozialwissenschaftlicher Wissenschafts-und Technikforschung auf E-Science und Digital Humanities

Einladung zu einem Werkstattgespräch (pdf)

Infrastruktur und/als/oder/für Forschung? Perspektiven sozialwissenschaftlicher Wissenschafts-und Technikforschung auf E-Science und Digital Humanities

04./05. Dezember 2013

Zentrum Technik und Gesellschaft, TU Berlin

Wir laden Kolleginnen und Kollegen ein, die sich mit Entwicklungen von digitalen Forschungsinfrastrukturen beschäftigen, in einer informellen und zwanglosen Atmosphäre gemeinsam über sozialwissenschaftliche Fragen rund um Praxen und Dynamiken der E-Science und Digital Humanities zu diskutieren.

Inhalt

Forschungsinfrastrukturen werden als Architekturmodelle, als Layer-Modelle, als vertikale und horizontale Gefüge von Basisdiensten, Middleware, Werkzeugen und Communities etc. dargestellt. Aus sozialwissenschaftlicher Perspektive wollen wir sie als soziale Gefüge der Technik und Organisation von Wissenschaft verstehen.

In diesem Sinne kann man sagen, dass Forschungsinfrastrukturen Möglichkeitsbedingungen für Forschung sind: Sie sind somit praktisch an der Wissenschaftskonstruktion, -re-konstruktion und -neukonstruktion beteiligt. Nun weisen Infrastrukturen eine gewisse Stabilität und Unsichtbarkeit auf – man wird ihrer erst gewahr, wenn es zu Störungen kommt und sie nicht mehr „richtig“, entsprechend der Erwartungshaltung, funktionieren. Ihr kulturelles Werden und Wirken ist in der Regel geblackboxed.

In der Wissenschaft entfaltet sich seit einiger Zeit eine Vielzahl an infrastrukturellen Aktivitäten: Das Versprechen lautet, dass neue digitale Infrastrukturen mit ihren Werkzeugen, Datenarchiven, Diensten etc. eine bessere Forschung ermöglichen und damit wesentlich zur wissenschaftlichen Innovation beitragen. Während in den Natur- und Technikwissenschaften eine infrastrukturelle Ausdifferenzierung und Professionalisierung schon vor längerer Zeit eingesetzt hat, nehmen die Geisteswissenschaften derzeit unter dem Label „Digital Humanities“ oder „ eHumanities“ erst richtig Fahrt auf.

Nun fallen Infrastrukturen nicht vom Himmel. Sie müssen entwickelt werden, wobei sie auf Vorhandenes aufsetzen und dieses gleichsam herausfordern. Im Bauen von Infrastrukturen treffen etablierte Ordnungsmuster von Techniken, Räumen, sozialen Architekturen und normiertem Verhalten auf neue Anforderungen. In Forschungsinfrastrukturentwicklungen werden somit Technik und Organisation der Wissenschaft verhandelt. Hier werden Regeln und Normen und auch Annahmen über menschliches Verhalten explizit, die sonst im Verborgenen den Alltag und das Handeln der Menschen leiten. Man stellt Fragen über eine angemessene Technik und Organisation der Wissenschaft, die man sonst als gegeben voraussetzt und die einem – auch im Hinblick auf die impliziten Machtstrukturen der Wissenschaft – normalerweise unbewusst sind.

Ein zentraler Mechanismus in der Infrastrukturentwicklung ist die Aufteilung in Dienstleistung und Forschung. Diese Trennung bedeutet eine Hierarchisierung von Wissen und eine spezifische Verteilung von Ressourcen. Dabei werden Wissenspraktiken in- und exkludiert. Das betrifft bspw. Formen der Anerkennung von Infrastrukturarbeit und Karrierewege der Infrastruktur-Akteure. Dieser Prozess ist von Konflikten begleitet, weil „alte“ Trennungsmuster und Verhaltensnotwendigkeiten mit neuen Anforderungen nicht mehr übereinstimmen. Die soziale und epistemische Bedeutung von Infrastrukturen wird verhandelt und somit zu einem offenen Unternehmen. Nicht umsonst wird Infrastrukturentwicklung von beteiligten Wissenschaftlern auch als Forschungsprojekt mit ungewissem Ausgang gesehen.

Uns interessieren Dynamiken im Dreieck zwischen Technik, Organisation und Forschung: Infrastruktur und/als/oder/für Forschung? Das bedeutet bspw., nicht von der Trennung zwischen Infrastruktur und Forschung auszugehen, sondern sich analytisch damit zu beschäftigen, wie es zu dieser Trennung kommt und welche Effekte dies auf die Wissenschaft hat.

Im zweiten Teil des Werkstattgesprächs möchten wir uns mit der Frage beschäftigen, was sozialwissenschaftliche Wissenschafts- und Technikforschung zur Praxis der Infrastrukturentwicklung beitragen kann. Unser eigenes Forschungsprojekt (https://escience-interfaces.net/projekt/) hatte als Begleitforschung mehrere Zielgruppen (Entwicklungspraxis von E-Science bzw. Digital Humanities, eigene Disziplin, Förderer BMBF) im Blick. Nun sind die Erwartungen an die zu generierenden Ergebnisse für die jeweiligen Adressaten nicht deckungsgleich. In einer begrenzten Projektlaufzeit kommt es daher unweigerlich zu (gewollten/ungewollten) Schwerpunktsetzungen zwischen der Generierung von Wissen für die eigene Disziplin und dem Transfer dieses Wissens in die anwendungsorientierte Praxis und Wissenschaftspolitik.

Es stellt sich die Frage, ob und wie die Wissenschafts- und Technikforschung in der Lage ist, ein Reflexions- und Orientierungswissen zu generieren, das die beforschten Akteure in ihr Handeln integrieren können/wollen.

Erwünschte Beiträge

Wir laden Kolleginnen und Kollegen herzlich ein, sich mit einem Beitrag aus der eigenen Forschung an der Werkstatt zu beteiligen. Der Beitrag kann sich sowohl auf den analytischen Teil „Dynamiken im Dreieck zwischen Technik, Organisation und Forschung“ als auch auf den forschungspraktischen Teil „Reflexions- und Orientierungswissen“ beziehen. Es können Einblicke in das eigene Forschungsprojekt gegeben oder Impulsreferate zu spezifischen Fragen gehalten werden, die für das Thema der Veranstaltung spannend erscheinen.

Termin und Ort

04. Dezember 2013, 13.00 – 18:00

05. Dezember 2013, 10:00 – 13:00

Zentrum Technik und Gesellschaft, TU Berlin, Hardenbergstr. 16 – 18, 10623 Berlin, Raum 6.06.

Anmeldung

Die Teilnahme ist kostenlos, die Anzahl der Teilnehmer/-innen jedoch begrenzt. Bei Interesse an einer Teilnahme bitten wir um eine E-Mail bis zum 19. November mit einem aussagekräftigen Beitragsvorschlag an: sonja.palfner[at]tu-berlin.de.

Die Reisekosten werden für die aktiv Teilnehmenden durch die Veranstalterinnen übernommen.

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