WordPress Jahresbericht 2013

Die WordPress.com-Statistik-Elfen fertigten einen Jahresbericht dieses Blogs für das Jahr 2013 an.

Hier ist ein Auszug:

Eine Cable Car in San Francisco fasst 60 Personen. Dieses Blog wurde in 2013 etwa 1.600 mal besucht. Eine Cable Car würde etwa 27 Fahrten benötigen um alle Besucher dieses Blogs zu transportieren.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

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***Projektinfo***

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

seit dem 13. Dezember 2013 befinde ich mich im Mutterschutz. Fragen zum Projekt beantworte ich deshalb evtl. mit einiger Verzögerung.

Das Projekt endet im Februar 2014, unser Blog bleibt aber weiter aktiv.

Ich wünsche Ihnen/Euch eine erholsame und schöne Weihnachtszeit und einen guten Start in ein erfolgreiches Jahr 2014!

Sonja Palfner

Werkstattgespräch: Infrastruktur und/als/oder/für Forschung? Perspektiven sozialwissenschaftlicher Wissenschafts-und Technikforschung auf E-Science und Digital Humanities

Einladung zu einem Werkstattgespräch (pdf)

Infrastruktur und/als/oder/für Forschung? Perspektiven sozialwissenschaftlicher Wissenschafts-und Technikforschung auf E-Science und Digital Humanities

04./05. Dezember 2013

Zentrum Technik und Gesellschaft, TU Berlin

Wir laden Kolleginnen und Kollegen ein, die sich mit Entwicklungen von digitalen Forschungsinfrastrukturen beschäftigen, in einer informellen und zwanglosen Atmosphäre gemeinsam über sozialwissenschaftliche Fragen rund um Praxen und Dynamiken der E-Science und Digital Humanities zu diskutieren.

Inhalt

Forschungsinfrastrukturen werden als Architekturmodelle, als Layer-Modelle, als vertikale und horizontale Gefüge von Basisdiensten, Middleware, Werkzeugen und Communities etc. dargestellt. Aus sozialwissenschaftlicher Perspektive wollen wir sie als soziale Gefüge der Technik und Organisation von Wissenschaft verstehen.

In diesem Sinne kann man sagen, dass Forschungsinfrastrukturen Möglichkeitsbedingungen für Forschung sind: Sie sind somit praktisch an der Wissenschaftskonstruktion, -re-konstruktion und -neukonstruktion beteiligt. Nun weisen Infrastrukturen eine gewisse Stabilität und Unsichtbarkeit auf – man wird ihrer erst gewahr, wenn es zu Störungen kommt und sie nicht mehr „richtig“, entsprechend der Erwartungshaltung, funktionieren. Ihr kulturelles Werden und Wirken ist in der Regel geblackboxed.

In der Wissenschaft entfaltet sich seit einiger Zeit eine Vielzahl an infrastrukturellen Aktivitäten: Das Versprechen lautet, dass neue digitale Infrastrukturen mit ihren Werkzeugen, Datenarchiven, Diensten etc. eine bessere Forschung ermöglichen und damit wesentlich zur wissenschaftlichen Innovation beitragen. Während in den Natur- und Technikwissenschaften eine infrastrukturelle Ausdifferenzierung und Professionalisierung schon vor längerer Zeit eingesetzt hat, nehmen die Geisteswissenschaften derzeit unter dem Label „Digital Humanities“ oder „ eHumanities“ erst richtig Fahrt auf.

Nun fallen Infrastrukturen nicht vom Himmel. Sie müssen entwickelt werden, wobei sie auf Vorhandenes aufsetzen und dieses gleichsam herausfordern. Im Bauen von Infrastrukturen treffen etablierte Ordnungsmuster von Techniken, Räumen, sozialen Architekturen und normiertem Verhalten auf neue Anforderungen. In Forschungsinfrastrukturentwicklungen werden somit Technik und Organisation der Wissenschaft verhandelt. Hier werden Regeln und Normen und auch Annahmen über menschliches Verhalten explizit, die sonst im Verborgenen den Alltag und das Handeln der Menschen leiten. Man stellt Fragen über eine angemessene Technik und Organisation der Wissenschaft, die man sonst als gegeben voraussetzt und die einem – auch im Hinblick auf die impliziten Machtstrukturen der Wissenschaft – normalerweise unbewusst sind.

Ein zentraler Mechanismus in der Infrastrukturentwicklung ist die Aufteilung in Dienstleistung und Forschung. Diese Trennung bedeutet eine Hierarchisierung von Wissen und eine spezifische Verteilung von Ressourcen. Dabei werden Wissenspraktiken in- und exkludiert. Das betrifft bspw. Formen der Anerkennung von Infrastrukturarbeit und Karrierewege der Infrastruktur-Akteure. Dieser Prozess ist von Konflikten begleitet, weil „alte“ Trennungsmuster und Verhaltensnotwendigkeiten mit neuen Anforderungen nicht mehr übereinstimmen. Die soziale und epistemische Bedeutung von Infrastrukturen wird verhandelt und somit zu einem offenen Unternehmen. Nicht umsonst wird Infrastrukturentwicklung von beteiligten Wissenschaftlern auch als Forschungsprojekt mit ungewissem Ausgang gesehen.

Uns interessieren Dynamiken im Dreieck zwischen Technik, Organisation und Forschung: Infrastruktur und/als/oder/für Forschung? Das bedeutet bspw., nicht von der Trennung zwischen Infrastruktur und Forschung auszugehen, sondern sich analytisch damit zu beschäftigen, wie es zu dieser Trennung kommt und welche Effekte dies auf die Wissenschaft hat.

Im zweiten Teil des Werkstattgesprächs möchten wir uns mit der Frage beschäftigen, was sozialwissenschaftliche Wissenschafts- und Technikforschung zur Praxis der Infrastrukturentwicklung beitragen kann. Unser eigenes Forschungsprojekt (https://escience-interfaces.net/projekt/) hatte als Begleitforschung mehrere Zielgruppen (Entwicklungspraxis von E-Science bzw. Digital Humanities, eigene Disziplin, Förderer BMBF) im Blick. Nun sind die Erwartungen an die zu generierenden Ergebnisse für die jeweiligen Adressaten nicht deckungsgleich. In einer begrenzten Projektlaufzeit kommt es daher unweigerlich zu (gewollten/ungewollten) Schwerpunktsetzungen zwischen der Generierung von Wissen für die eigene Disziplin und dem Transfer dieses Wissens in die anwendungsorientierte Praxis und Wissenschaftspolitik.

Es stellt sich die Frage, ob und wie die Wissenschafts- und Technikforschung in der Lage ist, ein Reflexions- und Orientierungswissen zu generieren, das die beforschten Akteure in ihr Handeln integrieren können/wollen.

Erwünschte Beiträge

Wir laden Kolleginnen und Kollegen herzlich ein, sich mit einem Beitrag aus der eigenen Forschung an der Werkstatt zu beteiligen. Der Beitrag kann sich sowohl auf den analytischen Teil „Dynamiken im Dreieck zwischen Technik, Organisation und Forschung“ als auch auf den forschungspraktischen Teil „Reflexions- und Orientierungswissen“ beziehen. Es können Einblicke in das eigene Forschungsprojekt gegeben oder Impulsreferate zu spezifischen Fragen gehalten werden, die für das Thema der Veranstaltung spannend erscheinen.

Termin und Ort

04. Dezember 2013, 13.00 – 18:00

05. Dezember 2013, 10:00 – 13:00

Zentrum Technik und Gesellschaft, TU Berlin, Hardenbergstr. 16 – 18, 10623 Berlin, Raum 6.06.

Anmeldung

Die Teilnahme ist kostenlos, die Anzahl der Teilnehmer/-innen jedoch begrenzt. Bei Interesse an einer Teilnahme bitten wir um eine E-Mail bis zum 19. November mit einem aussagekräftigen Beitragsvorschlag an: sonja.palfner[at]tu-berlin.de.

Die Reisekosten werden für die aktiv Teilnehmenden durch die Veranstalterinnen übernommen.

Working Papers

Bald endet unser Projekt „E-Science Interfaces“ (wir haben eine kostenneutrale Verlängerung bis Ende Februar 14 erhalten).
Anfang Oktober fand ein kleiner Abschlussworkshop beim DLR in Bonn-Oberkassel zusammen mit Vertretern des Projektträgers und des BMBF statt. Aus C3Grid und TextGrid haben die Projektleiterinnen teilgenommen.
Wir möchten heute die Gelegenheit nutzen, Ihnen die Working Papers, die Ulla Tschida und ich für diesen Workshop vorbereitet hatten, zur Verfügung zu stellen.

Working Papers E-Science Interfaces

Inhalt

Die Working Papers geben einen Überblick über Forschungsergebnisse aus dem Projekt E-Science Interfaces (2010-2013). Ihnen liegen Fragen zugrunde, die in der Projektskizze zum Antrag „E-Science und ihre neuen Interfaces. Technische und institutionelle Transformationen der Wissenschaft und deren forschungspraktische Folgen am Beispiel der Geisteswissenschaften (TextGrid) und der Klimaforschung (C3Grid INAD)“ gestellt wurden.[1]

Ziel

Wir verstehen die Beiträge nicht als Gesamtdarstellung der Ergebnisse. Wir haben Aspekte ausgewählt, von denen wir denken, dass sie für den Diskussionszusammenhang des Abschlussworkshops interessant sind. Sie sind nicht auf eine „Theoriediskussion“ der Wissenschafts-, Technik- und Organisationssoziologie ausgerichtet. Vielmehr haben wir versucht, die empirischen Befunde so aufzubereiten, dass sich handlungspraktische Anknüpfungspunkte für die an Infrastrukturentwicklungen beteiligten internen und externen Akteure (hier TextGrid, C3Grid, DLR und BMBF) ergeben können.

Hintergrund

Forschungsinfrastrukturen werden als Architekturmodelle, als Layer-Modelle, als vertikale und horizontale Gefüge von Basisdiensten, Middleware, Werkzeugen und Communities etc. dargestellt. Aus sozialwissenschaftlicher Perspektive wollen wir sie als sozio-technische Gefüge verstehen.

Beiden Teilstudien liegt ein grundsätzliches Interesse daran zugrunde, Technologien und Institutionen der Wissenschaft auf ihre Sozialität hin zu befragen. Weder sind Technologien neutrale Werkzeuge noch sind Institutionen leere Hüllen. Sie sind an der Wissenschaftskonstruktion, -rekonstruktion und -neukonstruktion, also an dem Ordnen der Wissenschaft, beteiligt. So definiert, sind sich Institutionen und Technologien strukturell ähnlich. …

Interesse? Dann lesen Sie hier weiter.

Interner Abschlussworkshop im Oktober

Unser Begleitforschungsprojekt „Technische und institutionelle Transformationen der Wissenschaft und deren forschungspraktische Folgen am Beispiel der Geisteswissenschaften (TextGrid) und der Klimaforschung (C3-Grid INAD)“ endet in diesem Jahr.

Im Oktober hat aus diesem Grund ein interner Abschlussworkshop mit dem BMBF, dem DLR, C3-Grid INAD und TextGrid stattgefunden. Ziel des eintägigen Workshops war die Ergebnisse des Projektes zu präsentieren und mit den TeilnehmerInnen zu diskutieren. Dabei ging es erstens um Fragen der Verwertbarkeit der Ergebnisse für Forschungsinfrastrukturprojekte der E-Science und Digital Humanities und zweitens um Fragen der Verwertbarkeit für die Governance von Infrastrukturentwicklungen in den Wissenschaften.

Der Einführungsvortrag des Workshops (pdf)

Technik als Denkstil? – E-Infrastrukturen in der Wissenschaft

Dieser Beitrag erscheint 2014.

Palfner, Sonja (im Erscheinen): Technik als Denkstil ? – E-Infrastrukturen in der Wissenschaft, in: Kaminski, Andreas/Gelhard, Andreas (Hrsg.): Zur Philosophie informeller Technisierung, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft.

 

Auszug aus der Einleitung:

Denkstil ist nicht nur diese oder jene Färbung der Begriffe und diese oder jene Art sie zu verbinden. Er ist bestimmter  Denkzwang und noch mehr: die Gesamtheit geistiger Bereitschaften, das Bereitsein für solches und nicht anderes Sehen und Handeln. Die Abhängigkeit der wissenschaftlichen Tatsache vom Denkstil ist evident. (Fleck 1980: 85)

 The era of eHumanities has arrived. No longer consigned to manuscript, memory or museums, digitisation is transferring the humanities to our computers. (Grid Talk 2009)

 

Was mag es bedeuten, wenn die Geisteswissenschaften in den Computer wandern? Was wird aus dem forschenden Denken? Kann in diesem Zusammenhang von Technik als Denkstil überhaupt die Rede sein? Damit ist angedeutet, dass es in diesem Beitrag nicht zuvörderst um Technik im Sinne der Maschine, einer Apparatur geht, auch wenn der Computer zweifelsohne als elektronische Maschine von zentraler Stellung zu sehen ist.[1] Auch Verhaltensweisen, wenn diese standardisierten Handlungsabläufen und Verfahrensweisen entsprechen – hier ist der Begriff der Sozialtechnik gebräuchlich –, sind im Folgenden nicht zentral gemeint. Vielmehr geht es mir um das Befragen einer Beziehung, die vielleicht befremdlich erscheint, möglicherweise ein gewisses Unbehagen hervorruft – die Beziehung zwischen Technik und Denken in einer ganz spezifischen Form: nämlich Technik als Denkstil. Diese Fokussierung ist der Tatsache geschuldet, dass weder Maschinen-Technik noch Verhaltenstechnik ein Unbehagen in uns auszulösen vermögen: Auch wenn es immer wieder Debatten über das Für und Wider bestimmter Techniken gibt – man denke an die Debatten in den1990er Jahren über Gentechnik – ist der Technikbegriff auf Apparate angewandt nicht strittig. Wohl auch, weil wir von ihnen überall umgeben sind. Wir scheinen sie wie Luft zum atmen zu benötigen (Autos, Computer, Fernseher, etc.). Sie dringen in unser Handeln ein, bspw. verändern sie unserer Art zu kommunizieren (in der U-Bahn schauen die Menschen nicht mehr auf ihre Füße, sondern sie hantieren mit ihren Smart Phones). Auch auf standardisierte Verfahrens- und Verhaltensweisen angewandt, löst der Technikbegriff wohl kein Erstaunen aus (Lehrtechniken in der Pädagogik, Managementtechniken in Unternehmen etc.). Bezogen auf die Wissenschaft sieht es nicht anders aus: Je nach Disziplin und Forschungsgegenstand spielen komplexe Apparaturen eine zentrale Rolle und ohne Computer und das Internet kann man sich den forschenden Alltag kaum mehr vorstellen. Ebenso prägen Standards (bspw. für Publikationen) und formalisierte Verfahrensweisen (bspw. im methodischen Vorgehen) das Tun des Wissenschaftlers in seinem Alltag.

Aber können wir sinnvoll sagen, dass Technik im Denken selbst situiert werden kann, also im Prozess des Denkens und nicht nur als Inhalt der Gedanken? Genau darin besteht meine Frage im Folgenden, welcher ich anhand der Wissenschaft nachgehen werde. Und hierzu führe ich den Begriff des Denkstils von Ludwik Fleck ein.[2]


[1] An dieser Stelle soll an die enorme Geschwindigkeit der IT-Entwicklung erinnert werden. Der Computer ist heute ganz selbstverständlich aus weiten Teilen der Wissenschaften nicht mehr wegzudenken. Aber noch in den 1970er Jahren sah dies ganz anders aus, wie folgendes Zitat zeigt: „Die Nutzung der Geräte breitete sich außerhalb von technischen, naturwissenschaftlichen und wirtschaftswissenschaftlichen Fächern nur langsam aus. Noch 1965 musste man die Wissenschaftler informieren, wofür Rechenanlagen eingesetzt wurden, und sie überzeugen, dass sich mit ihnen neue Aufgaben lösen ließen und die Ergebnisse schneller vorlagen. Selbst 1977 notierte der britische Informatiker Sir C.A.R. Hoare, dass die meisten Wissenschaftler vordem nie einen Computer gesehen hatten und – mehr noch – die meisten erwarteten auch nicht einen zu sehen“ (Grosse et al.  2009: 9-10).

[2] Dabei sollen die beiden anderen Vorstellungen von Technik, erstens als Maschine und zweitens als Verhalten, nicht ausgeblendet werden, da davon ausgegangen werden kann, dass alle drei Techniken in einem wechselseitigen Konstitutionsverhältnis stehen und ihre Beziehung sich nicht in einem Ursache-Wirkungs-Schema trivialisieren lässt. Technik als Dispositiv, Medium, Infrastruktur oder soziotechnisches System zu definieren, verweist auf Technik als „dynamischen Vermittlungszusammenhang […] worin sich etwas abspielt (Modus) und durch das bestimmte Weichen gestellt werden (Dispositive), die sowohl als Bedingung der Möglichkeit von (etwas) fungieren als auch auf die Beschränkungen verweisen, die damit verbunden sind“ (Gamm 2005: 19).

Reflexive Räume in Forschungsinfrastrukturen – gestalten, öffnen, nutzen

Unser Projekt endet im Oktober 2013. Wir haben jetzt einen Antrag auf eine kostenneutrale Verlängerung für vier Monate gestellt.

Ziele:

In den beantragten vier Monaten werden zwei Ziele verfolgt.

  • Erstens soll der Ergebnisworkshop, der im Oktober mit dem DLR, dem BMBF und den Akteuren aus TextGrid und C3-Grid INAD stattfinden wird, ausgewertet werden. Dabei stehen erstens Fragen der Verwertbarkeit der Ergebnisse für Infrastrukturprojekte und zweitens Fragen der Verwertbarkeit für die Governance von Infrastrukturentwicklungen in den Wissenschaften im Zentrum des Interesses.
  • Die Ergebnisse dieser Auswertung und die Ergebnisse des Begleitforschungsprojektes sollen zweitens in die Konzeption und Gestaltung eines Moduls „Reflexive Räume in Forschungsinfrastrukturen – gestalten, öffnen, nutzen“ fließen. Die Konzeption und Gestaltung des Moduls „Reflexive Räume in Forschungsinfrastrukturen – gestalten, öffnen, nutzen“ wird den größten Anteil an den beantragten vier Monaten haben.

Inhaltliche Begründung:

Was ist unter einem solchen Modul zu verstehen und warum ist ein solches Modul in Infrastrukturentwicklungen erforderlich?

Ein Ergebnis des Begleitforschungsprojektes ist, dass Forschungsinfrastrukturprojekte – wie sie durch das BMBF gefördert werden – innerhalb ihrer Projektmodi keinen Raum besitzen, in welchem die Entwicklungen von den beteiligten Akteuren reflektiert werden können. Infrastrukturentwicklung ist ein komplexer und heterogener Prozess. Es wird nicht nur Technik entwickelt, sondern Infrastrukturentwicklung ist auch ein sozialer Prozess. Im Projektalltag ist jedoch für diese Dimension kaum Zeit und Raum. Ein Grund hierfür ist erstens, dass innerhalb der Projekte keine Instanz integriert ist, die über Kompetenzen aus dem Bereich der Wissenschaftsforschung verfügt. Dieses Wissen z. B. über Dynamiken in sozio-technischen Systemen und über Problemdimensionen heterogener Akteurskonstellationen wäre notwendig, um die reflexive Perspektive auf Infrastrukturentwicklung zu fördern. Dies kann nicht von Seiten der beteiligten IT-Experten, der Fachwissenschaftler oder des Managements erfolgen, da sie nicht über die Expertise der Wissenschaftsforschung verfügen. Konkret haben wir in unserem Begleitforschungsprojekt die Erfahrung gemacht, dass ein solches Angebot als bereichernd empfunden wird. Wir haben einen zweitägigen Workshop mit Teilnehmern aus TextGrid und C3-Grid INAD veranstaltet (siehe https://escience-interfaces.net/publikationen/). Dabei hat sich gezeigt, dass die Wissenschaftsforschung Konzepte und Perspektiven auf Forschungsinfrastrukturentwicklung bereitstellen und auch so aufbereiten kann, dass das Wissen von den Teilnehmern als wertvoll empfunden wird und zur Verbesserung der Projekte beitragen kann. Ein Teilnehmer äußerte beispielsweise, dass es für das eigene Infrastrukturentwicklungsprojekt gut gewesen wäre, wenn es einen solchen Workshop schon viel früher gegeben hätte. Insgesamt ist der Workshop von allen Teilnehmenden als eine Bereicherung empfunden worden.

Neben der fehlenden Expertise zur Öffnung eines reflexiven Raums ist vor allem ein Phänomen für das fehlen dieses reflexiven Raumes verantwortlich, das der Soziologe Luhmann als „Vordringlichkeit des zeitlich Befristeten“ beschrieben hat. Damit ist gemeint, dass alle Tätigkeiten, die nicht durch Termine und Fristigkeiten strukturiert sind, aus dem Arbeitsablauf ausgeschlossen werden. Zwar widmet sich Luhmann der Knappheit der Zeit in der politischen Planung, aber man kann seine Charakterisierung des Zeitproblems auf die in unserem Begleitforschungsprojekt untersuchten Infrastrukturentwicklungsprojekte übertragen. In Infrastrukturprojekten, die durch Milestones und Deliverables strukturiert sind und die in ihre Struktur keine Zeit für einen reflexiven Raum eingeplant haben, fällt dieser weg. Damit ist nicht gesagt, dass man sich nicht auf der Leitungsebene weiterführende Gedanken über die Infrastrukturentwicklung macht oder dass einzelne Akteure nicht darüber reflektieren. Aber es fehlt an einem zusätzlichen Angebot zur Erweiterung des eigenen Blicks, der in den Routinen des Arbeitsalltags spezifisch gelenkt wird. Daraus ergibt sich die Schlussfolgerung, dass Infrastrukturentwicklung einen reflexiven Raum in die eigene Projektstruktur integrieren sollte. Das zu erarbeitende Modul soll genau hierfür eine Möglichkeit bieten und die Expertise der Wissenschaftsforschung für Forschungsinfrastrukturen und ihr Gelingen bereitstellen.

Produkt:

Das Modul „Reflexive Räume in Forschungsinfrastrukturen – gestalten, öffnen, nutzen“ wird aus verschiedenen Einheiten bestehen: Erstens sollen sozialwissenschaftliche Texte mit relevanten Konzepten aus der Wissenschaftsforschung so aufbereitet werden, dass sie von fachfremden Akteuren auf die eigenen Problematiken in Forschungsinfrastrukturentwicklungen übertragen werden können.

Zweitens wird auf der Grundlage der empirischen Ergebnisse unseres Begleitforschungsprojektes Material generiert, das zur Reflexion der Prozesse in heterogenen Akteurskonstellationen einläd und für die sozialen Dynamiken sensibilisiert.

Unterschiedliche didaktische Formate werden für die Bearbeitung des Materials vorgestellt und zur Verfügung gestellt.

Adressaten:

Das Modul wird Forschungsinfrastrukturprojekten und Kompetenzzentren Lehr-Lern-Einheiten zur Verfügung stellen, die von Forschungsinfrastruktur-Akteuren zur Durchführung von Workshops genutzt werden können. Im Bereich der Geisteswissenschaften werden die Forschungsinfrastrukturen TextGrid, Clarin und Dariah adressiert. Ein weiterer möglicher Adressat sind die Digital Humanities Kompetenzzentren.

Das Modul so vorbereitet, dass die Inhalte durch die Projekte ohne fremde Hilfe benutzt werden können.

Da davon auszugehen ist, dass nicht alle Infrastrukturprojekte die gleichen Probleme und Herausforderungen besitzen, wird das Modul so aufgebaut, dass die Modul-Einheiten einzeln und je nach Bedarf eingesetzt werden können.