Workshop im Herbst mit TextGrid und C3-Grid INAD

Am 26.und 27.11. verantalten wir in Berlin einen geschlossenen Workshop zur
Infrastrukturentwicklung in den Wissenschaften mit Mitgliedern der Projekte
TextGrid und C3-Grid INAD.
Die Veranstaltung ist ein Angebot für alle aktuellen, ehemaligen und
neuen Mitglieder der beiden Projekte, über
praktische Infrastrukturentwicklung und mögliche Beiträge
sozialwissenschaftlicher Forschung zu reflektieren.

Wir freuen uns, dass wir für den zweiten Tag Dr. Josef Benedikt vom
Projekt Erina+ (http://www.erinaplus.eu/index.php/erina, ein EU-Projekt
zu „socio-economic impact assessment for eInfrastructure projects“) für
ein Impuls-Referat gewinnen konnten. Sein Vortrag soll eine weitere, zu
unserem Projekt komplementäre sozialwissenschaftliche Perspektive auf
Infrastrukturen geben. Herr Benedikt wird nach seinem Vortrag für Fragen und
Diskussion zur Verfügung stehen. Danach wird wieder in „geschlossenem“
Rahmen weitergetagt.

Programm

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Digital Humanities – Wissenschaft in Arbeit

Hier die Einleitung eines Artikels, den ich zusammen mit Ulla Tschida geschrieben habe.

(Sonja Palfner, Ulla Tschida: Digitale Humanities – Wissenschaft in Arbeit, in: Martin Kintzinger und Sita Steckel (Hrsg.): Akademische Wissenskulturen. Praktiken des Lehrens und Forschens vom Mittelalter bis zur Moderne, Ostfildern: Schwabe Verlag, im Erscheinen)

„Geistes- und Sozialwissenschaften forcieren ihr Engagement für Forschungsinfrastrukturen“[1] – diese Pressemitteilung des Wissenschaftsrats vom 12. Dezember 2011 wie auch die Anfang 2011 erschienenen Empfehlungen vom Wissenschaftsrat zu Forschungsinfrastrukturen in den Geistes- und Sozialwissenschaften[2] machen auf eine aktuelle digitale Konjunktur aufmerksam, die zunehmend – selbstredend nicht in allen Disziplinen gleichermaßen – gespürt und praktiziert wird.

Im Folgenden wird die Entwicklung von elektronischen Hilfsmitteln in der sprach- und literaturwissenschaftlichen Forschung am Beispiel von TUSTEP und TextGrid rekonstruiert und die spezifischen Charakteristika der Entwicklung und Nutzung von neuen digitalen Werkzeugen sowie der Institutionalisierungsprozesse, die durch und rund um die Technik entstehen, herausgearbeitet.

Das Tübinger System von Textverarbeitungsprogrammen (TUSTEP) ist ein Set an Programmen zur computergestützten Textproduktion und -nutzung und wird seit 1978 am Zentrum für Datenverarbeitung (ZDV) der Universität Tübingen entwickelt: „TUSTEP ist ein Werkzeug zur wissenschaftlichen Bearbeitung von Textdaten (auch solchen in nicht-lateinischen Schriften), wie es vor allem in den Geisteswissenschaften benötigt wird. Es enthält Bausteine für alle Arbeitsgänge beim computer-gestützten wissenschaftlichen Umgang mit Textdaten, von der Erfassung über Abfrage, Analyse, Sortierung, Speicherung und andere Arten der Verarbeitung von Textdaten bis zur Ausgabe in gedruckter oder elektronischer Form“[3]. Im Februar 2012 standen erstmals die Installationspakete (noch kein Quellcode) unter der Revised BSD License[4] frei zur Verfügung. Die Entwicklung von TUSTEP wurde in den Anfängen von der Universität Tübingen und dem Land Baden-Württemberg gefördert[5].

In TextGrid wird eine grid-basierte virtuelle Forschungsumgebung für die Geistes- und Kulturwissenschaften seit Februar 2006 unter der Koordination der Abteilung Forschung und Entwicklung der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB) entwickelt und in den Betrieb überführt: „TextGrid ist ein Forschungsverbund, dessen Ziel es ist, den Zugang und den Austausch von Informationen in den Geistes- und Kulturwissenschaften mit Hilfe moderner Informationstechnologie (Grid) zu unterstützen. Seit 2006 wird eine internetbasierte Plattform aufgebaut, die Wissenschaftlern Werkzeuge und Dienste für die Auswertung von textbasierten Daten in unterschiedlichen digitalen Archiven bietet – unabhängig von Datenform, Softwareausstattung oder Standort“[6]. TextGrid war im Rahmen der D-Grid Initiative, die in diesem Jahr 2012 ausgelaufen ist[7], das einzige geisteswissenschaftliche Community-Projekt. Allerdings war TextGrid erstens nicht von Anfang an dabei (die ersten Projekte waren ausschließlich aus den Natur- und Technikwissenschaften) und zweitens wurde TextGrid nicht aus demselben Referat gefördert wie die anderen Grid-Projekte.

Sowohl TUSTEP als auch TextGrid sind auf den ersten Blick technische Systeme, die zur Produktion und Nutzung von Textdaten im wissenschaftlichen Kontext entwickelt werden. Der Einsatz bis dato unbekannter Computertechnologien eröffnet unbestritten neue Möglichkeiten für den Forschungsprozess und die Forschungspraktiken. Damit einhergehend ist auch eine Veränderung der Anforderungsprofile von Forschenden zu erwarten: „Wenn es weniger Mühe macht, Bücher oder Informationen zu finden, kann man damit auch nicht mehr brillieren“[8].

IT-Systeme wirken nicht selten als eine ‚Black Box‘ im Forschungsprozess selber und schaffen Abhängigkeiten und spezifische Voraussetzungen für das wissenschaftliche Arbeiten, die dem Forschenden häufig (und aufgrund fehlender IT-Kenntnisse) nicht unmittelbar zugänglich sind.

Nun scheint Technik darüber hinaus noch eine weitere Funktion zu besitzen: Auf den zweiten Blick, der sich auf Institutionalisierungsprozesse richtet, entfalten sich eben diese technischen Systeme zu sozialen Interaktionsfeldern, in denen die Frage nach der Wissenschaftsordnung gestellt und ausgehandelt wird. Die Entwicklung einer spezifischen Technologie bzw. die Nutzung der mittels neuer Technologien erzeugten Forschungsdaten ist somit nicht zu trennen von Prozessen, in denen Fragen von Arbeitsteilung und Rollenmustern, von Qualitätsstandards, Organisations- und Arbeitsabläufen und Verfahren aufgeworfen werden. Neue Technologien scheinen also ein Stimulus für die Auseinandersetzung wissenschaftlicher Disziplinen mit ihren epistemischen Praktiken und Lehrpraktiken und deren Möglichkeitsbedingungen darzustellen. Insofern könnte man formulieren, dass Technik die Rolle eines mehrdeutigen Hilfsmittels zukommt. Oder anders formuliert: Technische Systeme scheinen ein Potenzial zu besitzen, die Frage nach dem ‚Wie‘ von Forschung zu evozieren.

Nun ist dieser Beitrag keine systematische Aufarbeitung der Entwicklung der beiden Systeme. Wir möchten vielmehr an einzelnen Aspekten zeigen, dass das historische Moment dessen, was als ‚Digital Humanities‘ bezeichnet wird, nicht so sehr in der Unmittelbarkeit neuer wissenschaftlicher Ergebnisse zu finden ist, sondern in dem Versuch eines Wandels von Wissenschaftsformen. Form meint hierbei „ein spezifisches Muster der Organisation gesellig-gesellschaftlicher Beziehungen oder – anders ausgedrückt – wiederkehrende Verknüpfungsregeln gesellig-gesellschaftlichen Umgangs“[9]. Es geht uns also nicht darum, alle Disziplinen der Geisteswissenschaften, die vom Computer Gebrauch machen, unter einem neuen Begriff zu versammeln, nur weil mit der IT-Entwicklung häufig das Versprechen auf eine neue (bessere) epistemische Praxis einhergeht. Vielmehr interessiert uns der Begriff ‚Digital Humanities‘ als Prozess und als Praktiken, die in die soziale Konstruktion der Wissenschaft eingreifen.


[1]    Zur Pressemitteilung des Wissenschaftsrats s. den folgenden Link:

[www.wissenschaftsrat.de/index.php?id=404&=], 30.04.2012.

[2]    Wissenschaftsrat, Empfehlungen zu Forschungsinfrastrukturen in den Geistes- und

Sozialwissenschaften 2011. Vgl. im Internet http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/10465-11.pdf.

[3]           Zu TUSTEP s. den folgenden Link: [www.tustep.uni-tuebingen.de], 10.04.2012.

[4]           Zu den Lizenzbedingungen von TUSTEP s. den folgenden Link: [www.tustep.uni-tuebingen.de/lizenz.php], 10.04.2012.

[5]           Wilhelm Ott, 25 Jahre Literarische und Dokumentarische Datenverarbeitung an der Universität Tübingen – ein kurzer Rückblick, in: Protokoll des 65. Kolloquiums über die Anwendung der Elektronischen Datenverarbeitung in den Geisteswissenschaften an der Universität Tübingen vom 18. November 1995. S. den folgenden Link: [www.tustep.uni-tuebingen.de/prot/prot651-ott.html], 10.04.2012.

[6]           Zu TextGrid s. den folgenden Link: [www.textgrid.de/startseite.html], 10.04.2012.

[7]           Zu D-Grid s. den folgenden Link: [www.d-grid.de], 10.04.2012.

[8]           Hanno Birken-Bertsch, Die Digitalisierung des Verstehens, in: Digitale Wissenschaft. Stand und Entwicklung digital vernetzter Forschung in Deutschland, hg. von Silke Schomburg, Claus Leggewie, Henning Lobin und Cornelius Puschmann, Köln 2011, S. 13-19, hier: S. 15. Vgl. im Internet http://www.hbz-nrw.de/dokumentencenter/veroeffentlichungen/Tagung_Digitale_Wissenschaft.pdf.

[9]           Wolf-Dieter Narr, Zum Politikum der Form, in: Leviathan 8 (1980), Nr. 2, S. 143-163, hier: S. 148.

TextGrid in Darmstadt

Am 14. und 15. Mai richtete die TU Darmstadt den „TextGrid Summit“ aus. Damit ist der Abschluss der zweiten Förderphase von TextGrid vollbracht.

Auch wenn die zweite Phase zu Ende gegangen ist, TextGrid wird jetzt den Institutionalisierungsprozess weiter betreiben. Hiefür wurde die Form eines Vereins gewählt, der am 16.5.12 gegründet wurde: Presseinformation: TextGrid: Virtuelle Forschungsumgebung für die Geisteswissenschaften.

***

Unser Projekt hatte in Darmstadt die Möglichkeit, dem Projektträger und den Kolleginnen und Kollegen aus TextGrid vom Verlauf des E-Science Interfaces Projektes zu berichten. Das Projekt läuft drei Jahre und wir feiern in diesem Monat tatsächlich schon Bergfest! Die Präsentationsfolien finden Sie hier.

Mit dem Ende der zweiten Förderphase von TextGrid endet auch unsere teilnehmende Beobachtung des Projektes. Wir sagen an dieser Stelle „VIELEN DANK TEXTGRID!!!“.

Stellenausschreibung „Virtuelle Forschungsumgebung in den Geisteswissenschaften“

Stellenausschreibung mit Bitte um Weiterleitung an interessierte Kolleginnen und Kollegen!

Wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in (Doktorand/in) im Forschungsverbund „TextGrid: Institutionalisierung einer Virtuellen Forschungsumgebung in den Geisteswissenschaften.
Teilprojekt: Entwicklung und Implementierung eines integrierten Monitoring“

Am Zentrum Technik und Gesellschaft (ZTG) der Technischen Universität Berlin ist die Position eines/r wissenschaftlichen Mitarbeiter/in zu besetzen (unter Vorbehalt der Bewilligung durch das BMBF). Es handelt sich um eine halbe Stelle (19,5 Wochenstd.). Die Stelle wird nach TVöD vergütet und soll möglichst zum 01. Juni 2012 angetreten werden. Die Beschäftigung ist auf 3 Jahre begrenzt und zur Promotion geeignet.

Der Forschungsverbund „TextGrid: Institutionalisierung einer Virtuellen Forschungsumgebung in den Geisteswissenschaften“ leistet einen entscheidenden Beitrag zur modellhaften Institutionalisierung der Virtuellen Forschungsumgebung TextGrid, indem er die Herausforderungen auf fachwissenschaftlicher, sozialer, organisatorischer, finanzieller, rechtlicher und technischer Ebene untersucht, um belastbare Lösungsvorschläge zu entwickeln.

Der Aufgabenschwerpunkt der TU Berlin/ZTG liegt in der Entwicklung eines integrierten Monitoring für VREs.

In dem Projekt wird die/der geeignete Kandidat/in eng mit dem Projekt „E-Science Interfaces“ (https://escience-interfaces.net/) zusammenarbeiten.

Anforderungen:
– Gewünscht sind Kenntnisse über Monitoring- und Qualitätssicherungsverfahren
– Gewünscht sind Kenntnisse über Virtuelle Forschungsumgebungen in den Geisteswissenschaften
– Erforderlich ist eine hohe Bereitschaft mit den Verbundpartnern zusammenzuarbeiten
– Erfahrungen mit Ansätzen der Wissenschafts- und Technikforschung bzw. die hohe Bereitschaft, sich hier einzuarbeiten
– Teamfähigkeit
– Interdisziplinarität
– Kenntnisse in qualitativen Methoden der Sozialforschung

Zur Sicherung der Gleichstellung sind Bewerbungen qualifizierter Frauen besonders willkommen. Schwerbehinderte Bewerber/innen werden bei gleicher Eignung bevorzugt.

Ende der Bewerbungsfrist ist der 03.05.2012. Bei weiteren Fragen können Sie sich jederzeit mit Sonja Palfner (sonja.palfner@tu-berlin.de) in Verbindung setzen.

Unterlagen: Kurze aussagekräftige Bewerbungen mit einem tabellarischen Lebenslauf, Zeugniskopien und zwei Namen von Kolleg/innen als Referenz richten Sie bitte per E-Mail an:
Sonja Palfner (ZTG) sonja.palfner@tu-berlin.de

TextGrid Summit 2012

Ich möchte auf die Veranstaltung TextGrid Summit 2012 am 14. und 15. Mai 2012 in Darmstadt hinweisen, die unter dem Motto ‚Richtfest im Haus der Digitalen Infrastruktur‘ steht.

Da die Zahl der Teilnehmer/-innen begrenzt ist, ist eine Anmeldung bis zum 27.04.2012 erforderlich.

Weitere Informationen und Anmeldung unter:
www.textgrid.de/summit2012

TEI – Lost in translation? Einblicke in Infrastrukturarbeit

Am 16. August kam über Twitter (#teiputsch) die Meldung, dass der Vorsitzende des TEI-C Board, Martin Mueller, zurückgetreten war. (Danke an Markus B. Schnoepf für den Hinweis auf der FB-Gruppe Digital Humanities Berlin)

In Folge spekulierte die Community u.a., in wieweit ein offener Brief (1) von Martin Mueller an die TEI-Gemeinde eine Rolle in den Geschehnissen spielt. Das hat mich neugierig gemacht – eine Wertung seiner Gedanken zum aktuellen Stand der TEI liegt mir fern, aber in jedem Fall gab mir die Lektüre des offenen Briefes Anregungen, um über unterschiedliche Aspekte der Infrastrukturarbeit im wissenschaftlichen Bereich nachzudenken.
(In der Zwischenzeit gab es auch eine Reaktion des Technical Council von TEI zum Rücktritt.)

Die Schwierigkeiten der TEI-Community, die Mueller in seinem Brief kritisch anspricht, geben einen möglichen Blick auf Infrastrukturarbeit: Es geht um Kompromisse zwischen unterschiedlichen Erwartungshaltungen, um mögliche „Gewinner und Verlierer“(2), die im Zuge der Infrastrukturarbeit zwangsläufig entstehen.
Mueller sieht eine Herausforderung in der aktuellen Rolle der TEI als Hybrid zwischen Standardisierungsgremium, wissenschaftlicher Gemeinschaft und Institution, die Mitgliedsgebühren erheben muss.Er erzählt von den Schwierigkeiten, über den Wert einer wissenschaftlichen Technologie mit den Vertretern der lokalen Serviceeinrichtungen zu verhandeln. Der „wissenschaftliche Mehrwert“ einer Forschungsinfrastrukturleistung muss schließlich auch in lokalen Budget-Entscheidungen vertreten werden. Er spricht über die Schwierigkeiten der Ausweitung des Nutzerkreises für eine wissenschaftliche Technologie, die zwar hochspezialisierte Auszeichnungen ermöglicht, aber seines Erachtens nur von einem geringen Teil der Forscher „decoded“ werden kann.
Eine seiner Kernaussagen ist die aus seiner Sicht mangelnde Berücksichtigung von Interoperabilität. „Unnecessary divergence and inconsistency (…) are only one reason for the fact that much of TEI encoding is „lost in translation“ “ (1, S.9): Die verstärkte Nutzung eines „basic set of tags“ sollte eine erste, grundlegende Verknüpfung unterschiedlicher Daten ermöglichen. Die Kernkodierung, wie sie in TextGrid genutzt wird, sieht er als positives Beispiel für die Idee einer „TEI-API for query tools“. Gleichzeitig sieht er einen Bedarf an der Fokussierung auf Such- und Indexierungstechnologien,  um das mögliche Query Potential reich ausgezeichneter XML-Dokumente auch effizient zu nutzen.

Infrastrukturarbeit bedeutet vorrangig Übersetzungs- und Vermittlungsarbeit zwischen Mensch und Maschine. Diese Vermittlung läuft mittels Technologie (wie Programmier- und Auszeichnungssprachen, Schnittstellen oder Protokolle), aber natürlich auch mittels sozialer Interaktion in der Entwicklung einzelner Bausteine von Forschungsinfrastrukturen. In dieser Vermittlung wird übersetzt, und damit wird auch ein- und ausgeschlossen. Durch die dynamische Interaktion der menschlichen als auch der nicht-menschlichen Akteure einer Infrastruktur unterliegen auch die notwendigen Übersetzungspraktiken einer ständigen Revision und Weiterentwicklung.
Auch die Entwicklung von TEI als wissenschaftliche Auszeichnungssprache für (historische) Texte ist „work in progress“, die notwendigerweise von Spannungen begleitet wird: Die Entscheidung über „notwendige“ und „optionale“ Elemente für sinnhafte Auszeichnung von wissenschaftlich relevanten Entitäten der Texte kann inter- und intradisziplinär stark variieren.
(Ein anderes Beispiel für die Notwendigkeit der ständigen Weiterentwicklung der Übersetzungstechnologie  ist das mit 1,69 Millionen Euro geförderte BMBF-Projekt ECOUSS, in dem u.a. Automatismen zur Anpassung von Compilern an die dynamische Entwicklung der parallelen Rechnerarchitekturen entwickelt werden soll. Mehr dazu hier oder hier )

Unabhängig, auf welcher „Ebene“ (oder „Layer“) der Infrastruktur übersetzt wird, es geht im Endeffekt immer um die Interaktion in einem sozio-technischen System: Mensch und Maschine agieren miteinander und stellen dabei ihre eigenen Bedingungen an die Kommunikation. Diese Bedingungen werden in der Entwicklung von Forschungsinfrastrukturen verhandelt. Dabei treffen unterschiedlichen Sprachen, Wissensbestände, Wertigkeiten und Praktiken aufeinander.  Peter Galison, in seiner Rekonstruktion der Entwicklung der Mikrophysik, prägte dafür den Begriff trading zone „as a social, material, and intellectual mortar binding together the disunified traditions of experimenting, theorizing, and instrument building.“(3)

Eine – wie auch immer wissenschaftlich definierte – „gelungene“ Kommunikation innerhalb von Forschungsinfrastruktren ist auch das Ergebnis der Verhandlungen über „generische“ und „spezifische“ Funktionalitäten sowie über die notwendige Weiterentwicklung von Technologien, Communities und tragenden Einrichtungen von Forschungsinfrastrukturen. Die „trading zone“ ist somit auch ein Ort der Verhandlungen über das noch Unbekannte. Und diese Verhandlungen sind geprägt von den unterschiedlichen Vorstellungen zum Umgang mit dem „Werdenden“, das nicht zuletzt beschrieben, geplant, entwickelt und finanziert werden soll. Die unterschiedlichen Vorstellungen zu „Innovation“ und „Nachhaltigkeit“ sind relevante Werte, mit denen dabei gehandelt wird.

(1) Letter to members of the TEI-C Board and Council. From Martin Mueller, chair, TEI-C Board. August 4, 2011.
(2) vgl.Edwards, Paul N.; Jackson, Steven J., Bowker, Geoffrey C. and Cory P. Knobel: Understanding Infrastructure: Dynamics, Tensions, and Design. Ann Arbor: DeepBlue 2007. S.24.
(3) Galison, Peter:Image and Logic. A Material Culture of Microphysics. UCP 1997. S.803

DH2011@Stanford … zumindest in Textform

Vom 19. bis 22. Juni findet in Stanford die Digital Humanities Conference 2011 statt.

Quasi als Amuse-Gueule für die Daheimzubleibenden ist gerade eben der Abstract-Band der Konferenz online erschienen…vorsicht, mehr als 400 Seiten stark!

TextGrid ist auch vertreten …mit Beiträgen zum Text-Bild-Link Editor und den Handschriften der Abtei St. Matthias.