Einladung zur Ergebnispräsentation und Preisverleihung von Coding da Vinci

Coding da Vinci ist der erste Hackathon mit offenen Kulturdaten. 16 Kulturinstitutionen – nicht nur aus Berlin – haben Daten dafür verfügbar gemacht: Museum für Naturkunde, Ethnologisches Museum, ZLB, Berlinische Galerie, Stadtmuseum Berlin, DNB, Europeana, DDB, Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Steinheim Institut Essen u. v. m. Die Daten kann man gut auf der Webseite von Coding da Vinci einsehen.

Zum Auftaktwochenende Ende April wurden diese Datensets vorgestellt – 150 Teilnehmer_innen waren zur Wikimedia Deutschland gekommen, Entwickler_innen, Webdesigner_innern, Menschen, die an Kulturdaten interessiert sind. Die Teilnehmer_innen haben die offenen Daten kreativ bearbeitet – neu gemischt, angereichert, verknüpft… Die Projektskizzen kann man auf dem Hackdash anschauen. Inzwischen sind die Projektideen weiter gediehen. Am 6. Juli ab 10:30 Uhr werden die Ergebnisse des Hackathons im Jüdischen Museum (Lindenstrasse 9-14, 10969 Berlin) öffentlich präsentiert und auch prämiert.

Anmelden kann (und muss) man sich hier auf der CdV-Webseite: http://codingdavinci.de/anmeldung/

Digitale Kunstgeschichte: Herausforderungen und Perspektiven

Digitale Kunstgeschichte: Herausforderungen und Perspektiven
Digital Art History: Challenges and Prospects

Internationale Arbeitstagung

Wann: 26. / 27. Juni 2014
Wo: SIK-ISEA, Zollikerstrasse 32 (Nähe Kreuzplatz), CH-8032 Zürich

 

Programmflyer (pdf)

 

 

Auf dieser Tagung werde ich den Workshop „Digital Workspace“ leiten. Hier mein Abstract zum Workshop:

Virtual Research Environments (VREs) /Digital Workspaces[1] sind ein an Bedeutung zunehmender Bestandteil von Forschungsinfrastrukturen, deren Stabilität (technisch, betrieblich etc.) eine Grundvoraussetzung für Forschung ist (siehe Workshop Nachhaltigkeit). Häufig wird als wesentliches Merkmal einer VRE die Möglichkeit zu neuen kooperativen Forschungstätigkeiten unabhängig von Zeit und Ort benannt. Diese Sichtweise berücksichtigt nicht, dass die VRE selbst kein unveränderliches und fertiges Produkt darstellt, welches man als Wissenschaftler/in „nur“ benutzen muss. Digital Workspaces sind in diesem Sinne lebendige und in mehrfacher Hinsicht heterogene Gefüge.

Beispiele:

  • Heterogene Akteurskonstellation in Entwicklung und Betrieb einer VRE

An der Entwicklung einer VRE partizipieren in der Regel Fachwissenschaftler, Informatiker, Projektmanager und „hybride“ Akteure, die häufig eine fachwissenschaftliche Ausbildung besitzen und gleichzeitig im IT-Sektor Kompetenzen erworben haben. Die spezifische Zusammensetzung einer VRE ist abhängig vom jeweiligen Entwicklungsgrad der VRE und ihrem fachwissenschaftlich spezifischen Kontext. Die Fluidität erfordert eine gute Dokumentation, da gegebenenfalls durch den Wegfall von Personen Wissen verloren geht.

Die hybriden Akteure sind von besonderer Bedeutung, weil sie Übersetzungsarbeit zwischen Fachwissenschaft und Informatik leisten können (Frage der Qualifizierung dieser Akteure).

Nach wie vor wird das Mitwirken an Infrastrukturmaßnahmen als „Serviceleistung“ bewertet. Damit geht die Problematik einher, dass das fachwissenschaftliche Engagement von der eigenen Community zu wenig anerkannt wird. Da VREs von ihrer Nutzung durch Fachwissenschaftler leben, muss die Verbindung zu ihnen aktiv gestaltet werden, um nicht am Bedarf vorbei zu entwickeln (siehe Nutzungsanforderungen).

  • Heterogene Nutzungsanforderungen

Die Nutzung einer VRE hängt von ihrer Attraktivität für die Wissenschaftler ab. Dabei ist Nutzer nicht gleich Nutzer. Es gibt „Experten“, denen der Umgang mit digitalen Werkzeugen vertraut ist und die vielleicht sogar selbst an der Entwicklung digitaler Werkzeuge mitwirken. Andere dagegen erwarten ein System, das so einfach wie Google zu nutzen ist. Manche Nutzer wollen vielleicht „nur“ einen gängigen Workflow zur Verfügung haben, andere benötigen spezifische Anwendungen. Die Fragen, welche Typen von Nutzern es gibt und wie kontextspezifisch der Digital Workspace ist, sind also zentral für den Erfolg einer VRE. In diesem Zusammenhang muss erstens die Frage nach der Qualifizierung zur fachgerechten Nutzung diskutiert werden. Zweitens ist darüber zu reflektieren, welche Unterstützungsleistungen dem Forschenden vor Ort (Stärkung der lokalen Ressourcen) und durch die Betreiber einer VRE (Angebot von Schulungen etc.) zur Verfügung stehen sollten.

 

[1] VRE und Digital Workspace werden hier synonym verwendet.

eScience Research Network Saxony: Int. Conf. Infrastructures and Cooperation in E-Science and E-Humanities

Call for Papers: Int. Conf. Infrastructures and Cooperation in E-Science and E-Humanities

The International Conference on Infrastructures and Cooperation in E-Science and E-Humanities will be held from June 4-6 2014  in Leipzig. We invite you to participate and submit your paper addressing current questions and solutions in relation to one of the following thematic fields or other relevant topics:

– Invention, design and implementation of information and communication technologies to enable, enhance or empower academic activities (field 1)
– Analysis of academic processes, business models, and needs (field 2)
– Social and cultural influences and outcomes related to the use of technology in academic activities (field 3)

Submissions of full papers with originial work in english language are welcome. All papers will be peer-reviewed, a selection of the best conference papers will be published by Springer. All other papers will be published as open access electronic conference proceedings.

A special track of the conference will experiment with the innovative format of a „flipped conference“. Here, presentation videos will be shared prior to the conference via an online platform, and the meeting in Leipzig will be used in innovative and productive ways – depending on the ideas of the presenters.

All information about the submission process, conference registration, the venue and the conference program as well as the „flipped conference“ track can be found at the conference website:
http://openaccess.tu-dresden.de/ocs/index.php/ic-escience/iceseh2014

The conference is organized by the eScience Research Network Saxony. Information about the research network can be found at http://www.escience-sachsen.de.

We look forward to seeing you in Leipzig!

Yours sincerely,

The organizing team of the eScience Research Network Saxony

Interner Abschlussworkshop im Oktober

Unser Begleitforschungsprojekt „Technische und institutionelle Transformationen der Wissenschaft und deren forschungspraktische Folgen am Beispiel der Geisteswissenschaften (TextGrid) und der Klimaforschung (C3-Grid INAD)“ endet in diesem Jahr.

Im Oktober hat aus diesem Grund ein interner Abschlussworkshop mit dem BMBF, dem DLR, C3-Grid INAD und TextGrid stattgefunden. Ziel des eintägigen Workshops war die Ergebnisse des Projektes zu präsentieren und mit den TeilnehmerInnen zu diskutieren. Dabei ging es erstens um Fragen der Verwertbarkeit der Ergebnisse für Forschungsinfrastrukturprojekte der E-Science und Digital Humanities und zweitens um Fragen der Verwertbarkeit für die Governance von Infrastrukturentwicklungen in den Wissenschaften.

Der Einführungsvortrag des Workshops (pdf)

„Happy Birthday DKRZ!“

Das Deutsche Klimarechenzentrum hat sein 25-jähriges Bestehen mit einem Symposium und einem Workshop in Hamburg gefeiert (25.2.-26.2.13).

Die Festschrift anlässlich des 25-jährigen Bestehens des DKRZ ist auf der Webseite des DKRZ zum Download verfügbar!

Bild von Michael Böttinger (DKRZ) 2013

Bild von Michael Böttinger (DKRZ) 2013

„Varianz und Vielfalt“ – Wechselwirkungen zwischen Bioinformatik und Sprachwissenschaft

Vom 29.11. bis 30.11. fand in Darmstadt ein Arbeitstreffen des Projektes „Wechselwirkungen zwischen
linguistischen und bioinformatischen Verfahren, Methoden und Algorithmen: Modellierung
und Abbildung von Varianz in Sprache und Genomen.“ statt.

Der zweitägige Workshop stand unter dem Thema „Varianz und Vielfalt interdisziplinär: Wörter und Strukturen“. Mein Interesse lag vorrangig auf den Erfahrungen und Ergebnissen des Wechselwirkungs-Projektes: Ausgangspunkt des Projektvorhabens war eine spannende interdisziplinäre Fragestellung – was sind strukturelle Gemeinsamkeiten zwischen Genomcode (Codierung genetischer Information) und sprachlichem Code (Codierung von sprachlicher Information). Zwei Aspekte sollten untersucht werden, zum einen die Entwicklungsfähigkeit (Historizität), zum anderen Vielfalt bzw. Varianz (und ihre Regelmässigkeit). Die gemeinsame, empirische Datenbasis sind vernetzte Wörterbuchdaten und Daten des menschlichen Genoms.

Andrea Rapp gab einen kurzen Überblick über Herausforderungen und Chancen der interdisziplinären Kooperation. Es scheint, dass das Bemühen um Verständigung und Austausch über disziplinäre Grenzen hinweg zu einem „heilsamen“ Prozess der Selbstdisziplinierung, Formalisierung und Reflexion führte: durch die Notwendigkeit, dem fachfremden Gegenüber Methoden, Konzepte und „Forschungsstand“ zu erläutern, muss auch in der Disziplin selbst das kodifizierte Wissen neu reflektiert werden.
Einen Einblick in den möglichen interdisziplinären Transfer von Erkenntnisse und Methoden bot der Vortrag der beteiligten Bioinformatiker: Die bioinformatische Methode der Netzwerk-Analyse einer Proteindomäne wurde auf Morpheme übertragen, um nach Aussagen über den Zusammenhang von Morphemgebrauch und Morphemwandel zu schliessen.
Schon allein die Visualisierung der Veränderung und des Wandels in Konstellationen von Morphemen durch eine Netzwerk-Analyse ist ein Gewinn, über den wissenschaftlichen Aussagewert wurde noch kontrovers diskutiert. Die Bioinformatiker berichteten, dass in ihrem Teilbereich sprach-und literaturwissenschaftliche Methoden zur Erforschung des Sprachwandels zwar auf Interesse gestoßen sind, aber Untersuchungen zu Varianz und Wandel im menschlichen Genom an der Verfügbarkeit historischer biologischer Daten scheitert.

Der Großteil der Vorträge der Tagung beschäftigte sich mit sprach-und literaturwissenschaftlichen Fragestellungen zu Sprachentwicklung und -wandel, mit mehr oder weniger explizitem Einblick in technische Fragestellungen (Kodierung, Tool-Entwicklung oder Modellierungen).

Die Keynote von Anke Lüdeling fand im Kontext der Ringvorlesung „Digital Humanities“ der TU Darmstadt statt, und adressierte entsprechend die Digital Humanities Community vor Ort. Neben der Notwendigkeit des Publizierens mittels „open access“-Modelle betonte Lüdeling vorallem die Notwendigkeit einer (technologischen und wissenschaftlichen) Veränderung hinsichtlich der Offenlegung und maschin-lesbaren Auszeichnung von epistemischen Wissen und Know-How: Der Wert einer digitalen Auszeichnung liege vorallem in der Möglichkeit der Nachvollziehbarkeit subjektiver Interpretationssschritte in der wissenschaftlichen Analyse. Dafür sieht Lüdeling sozialen Innovationsbedarfs (eine Veränderung der Community bottom-up) als auch technischen Innovationsbedarf: die diachrone und synchrone Darstellung unterschiedlicher „annotation layer“ eines Objektes ist aus ihrer Sicht ein Desiderat der digitalen Geistes-und Sozialwissenschaften.

 

Workshop im Herbst mit TextGrid und C3-Grid INAD

Am 26.und 27.11. verantalten wir in Berlin einen geschlossenen Workshop zur
Infrastrukturentwicklung in den Wissenschaften mit Mitgliedern der Projekte
TextGrid und C3-Grid INAD.
Die Veranstaltung ist ein Angebot für alle aktuellen, ehemaligen und
neuen Mitglieder der beiden Projekte, über
praktische Infrastrukturentwicklung und mögliche Beiträge
sozialwissenschaftlicher Forschung zu reflektieren.

Wir freuen uns, dass wir für den zweiten Tag Dr. Josef Benedikt vom
Projekt Erina+ (http://www.erinaplus.eu/index.php/erina, ein EU-Projekt
zu „socio-economic impact assessment for eInfrastructure projects“) für
ein Impuls-Referat gewinnen konnten. Sein Vortrag soll eine weitere, zu
unserem Projekt komplementäre sozialwissenschaftliche Perspektive auf
Infrastrukturen geben. Herr Benedikt wird nach seinem Vortrag für Fragen und
Diskussion zur Verfügung stehen. Danach wird wieder in „geschlossenem“
Rahmen weitergetagt.

Programm

Rückblick auf die EASST 2012

Letzte Woche hatte ich Gelegenheit, in Kopenhagen an der EASST 2012 teilzunehmen.
Die Konferenz wurde von der European Association for the Study of Science and Technology (EASST) veranstaltet, zusammen mit dem US-amerikanischen Pendant, der Society for Social Studies of Science (4S).

Unter der thematischen Klammer „Design and Displacement“ wurde ein Panoptikum aktueller Forschungstrends präsentiert, organisiert über 300 Panels in 3 Tagen.

„Design has become a key concept across a multitude of disciplinary domains and social spheres. In addition to its traditional ‘aesthetic’ associations, it is now a key term in multiple scientific domains and in diverse technological practices. One can even think of societies and social arrangements being ‘designed’. In science and technology, ‘design’ implies the re-arrangement of materials and ideas for innovative purposes. When newly designed scientific and technical objects enter the world, however, their initial purposes are often displaced.“ (Zitat von der Konferenz-Homepage)

Konferenz-Teilnehmer waren rund 1600 WissenschaftlerInnen, die sich mit sehr unterschiedlichen theoretischen und methodologischen Vorgaben auf die Suche nach verschwundenen, neu enstandenen oder konfligierenden „purposes“ wissenschaftlicher und/oder technischer Objekte  machen.

Die Wahrnehmung einer STS (Science, Technology and Society)-Community als deutlich heterogene und differenzierte Community war u.a. auch Thema beim Pre-Conference Workshop für Doktorandinnen und Doktoranden: Unter der Frage „What does it mean to do STS at the margin?“ wurde über „Centers“ und „Margins“ in der Wissenschaft mehr praktisch als theoretisch diskutiert. Die unterschiedlichen Perspektiven, biographische Anekdoten und erste Forschungsergebnisse der TeilnehmerInnen spiegelten das breite Spektrum von STS-Ansätzen wider: Von den Schwierigkeiten, sich als Mitglied einer epistemisch höchst fragmentierten Community zu positionieren, über die Herausforderungen des interdisziplinären Forschens (und Publizierens) bis hin zur kritischen Reflexion einer Romantisierung von STS als „Grenzwissenschaft“, als Kultivierung einer Randposition, die aufschlussreichere Perspektiven und politisches Veränderungspotenzial ermöglichen soll als der „Mainstream“ der wissenschaftlichen Forschung.

Der Small-Talk beim Buffett (eine in der Tat sehr leckere Auswahl der „new nordic kitchen“)  mit Doktoranden, die „STS machen“ (meine Gesprächspartner kamen vorrangig aus den Bereichen Informationswissenschaft, Informatik und Ethnologie), verdeutlichte den Eindruck, dass es schwierig ist, insbesondere im deutschsprachigen Raum, eine STS-Promotion zu organisieren. Eine interdisziplinäre Fragestellung bedeutet unterschiedliche, häufig inkompatible Theorien, Methoden und Qualitätsverständnis.

Aufgrund der hohen Fragmentierung war die Auswahl potentiell spannender und innovativer Sessions schwierig. In manchen Fällen war die Zuordnung der einzelnen Vorträge zum Thema der Session nur eingeschränkt nachvollziehbar.
Trotzdem war die Konferenz eine guter Ort der Kontaktanbahnung und gab -unter dem breiten gemeinsamen Nenner des „socio-material entanglements“ – manch neuen Einblick in unterschiedliche Herangehensweisen an technische, materielle, soziale und epistemische Aspekte der Technisierung und Digitalisierung in „knowing and working environments“.

„Design challenges of working and organizing in technologically dense environments“ war ein Panel veranstaltet von Cornelius Schubert und Attila Bruni, die u.a. der Frage nachgehen, wie die Praxis von „knowing and working“ in mehr oder weniger technologisch „dichten“ Umgebungen funktioniert. Der Begriff der „density“ ist ein reizvoller auch für unsere Forschung,  die Frage, wie man sich dem Begriff der „Dichte“ technischer Umgebungen qualitativ und theoretisch nähern kann, bleibt eine spannende Frage für weitere Forschung.

Im Panel zu „Ethnography of socio-material collaborations“ lernte ich Smiljana Antonijevic kennen, die -zumindest soweit mir bekannt – den einzigen Vortrag mit explizitem Bezug zum empirischen Phänomen der Digital Humanities hielt. Sie berichtete über erste Ergebnisse hinsichtlich „reconfiguring practices und resources“ im Arbeiten von Geisteswissenschaftlern mit Werkzeugen der Digital Humanities. Schwerpunkt ihrer Forschung ist die qualitative Untersuchung der Nutzung der Werkzeuge.

Besonders gefreut habe ich mich über ein Wiedersehen mit Theresa Velden, ehemalige Leiterin des Zentrum für Informationsmanagement an der MPG (ZIM), die am Beispiel der Chemie über „field-differences in
openeness and sharing of scientific knowledge“ berichtete, und -im Gegensatz zu vielen anderen Vorträgen – auch auf weitergehende theoretische Erklärungsmuster für die Zusammenhänge zwischen epistemischen und materiellen Charakteristika von Forschungsfeldern und den Konsequenzen für Data Sharing einging.

Zum Abschluss der Konferenz konnte ich noch in die Session von Paul Edwards zu „Spatiotemporalities – Space and Infrastructures“ reinschnuppern. Der Schwerpunkt der Vorträge lag auf der empirischen und historischen Beschreibung der Herstellung von Räumlichkeit in und durch große, technische Infrastrukturen. Interessant, aber leider wenig weiterführend, was theoretische oder methodische Fragen einer „Soziologie der Infrastrukturen“ betrifft.

Akademische Sommerfrische und Verstoffwechslung

oder: Was macht man so als PhD-Kandidatin im Sommer?

Neben all den Widrigkeiten, die anderswo verhandelt werden sollen, hat das Akademikerdasein ja schon auch schöne Seiten – unter anderem bietet es die Möglichkeit, an besonderen Orten der Welt mit Kollegen zusammenzukommen, Forschungsfragen und -designs auseinanderzunehmen und nicht-systematische Vergleiche von Forschungs-und Finanzierungsbedingungen anzustellen. Das hat noch gar nichts mit Konferenztourismus zu tun;-), im Gegenteil, hier werden auch fundamentale Überlebensstrategien für den akademischen Dschungel geprobt. (Wers nicht glaubt, möge nachlesen z.B.  in „Perlmanns Schweigen“  )

 
Jedenfalls durfte ich diese Möglichkeit mit der Absolvierung eines PhD-Kurses für „Socio-technical theory and methods“ an der Technischen Universität in Kopenhagen (DTU) erleben. Letzte Woche fand der zweite und letzte Teil statt. Für Neueinsteiger in STS („Science and Technology Studies“, manchmal auch „Science, Technology and Society“) wie mich war es eine turbulente, dichte und wichtige Erfahrung, mit deren Verstoffwechslung ich noch länger zu tun haben werde.
Die internationale STS Forschung hat keine einheitliche Orientierung und wirkt in sehr unterschiedlichen Disziplinen. Als eine der wenigen Gemeinsamkeiten gilt die sozialkonstruktivistische Orientierung: Technik und (jegliche Form von )Wissen wird als sozial konstruiert verstanden. Ob sich etwas als Wissen  durchsetzt, akzeptiert oder abgelehnt wird, ist eine soziale Frage, und keine der Gesetzmässigkeiten einer natürlichen Welt. Das, was Glühbirnen, Fahrräder, Infrastrukturen „sind“, ist keine inhärente Eigenschaft der Technik, sondern das Ergebnis eines sozialen Aushandlungsprozesses. Grundlegende Annahmen der STS-Forschung sind somit, dass „Inhalte und Ergebnisse von Wissenschaft und Technik weder vorbestimmt noch inhärent neutral sind, sondern in Prozessen geformt werden, in denen Artefakte, Politik und kulturelle Praxen ineinander verwoben sind.“ (Petra Ilyes, Zum Stand der Forschung des englischsprachigen STS Diskurses, S. 8 – eine gute Übersicht und Einführung für STS-Interessierte)

Das Ziel des PhD-Kurses in Kopenhagen war die Vorstellung und Diskussion zweier grundlegender Theorieansätze in STS – Social Construction of Technology (SCOT) und Actor-Network Theory (ANT). Gemeinsam mit Kollegen aus dem Gesundheitsbereich, des Industrial Designs und der Nachhaltigkeitsforschung führten wir viele Diskussionen über die ontologischen und methodologischen Implikationen dieser beiden Richtungen, die sich auf deutlich unterschiedliche Weise dem breiten Themenfeld der Mensch-Technik-Interaktion annähern. Eine Beschäftigung mit „dem Sozialen“ in der Technikentwicklung führt dabei zwangsläufig zur Frage, was den Menschen ausmacht, ob, wann und wie er sich von nicht-menschlichen Objekten unterscheidet, ob und wie man das beobachten kann, und nicht zuletzt zur Frage, welche Bedeutung die klassische Dichotomie Struktur vs. Handlung (oder Technik vs. Mensch ) für „doing science“ hat. Und mitten in der dänischen Sommerfrische ist man ohne Vorwarnung bei metaphysischen, philosophischen und ontologischen Diskussionen gelandet …

Für weitere intellektuelle Überraschungen, Grenzüberschreitungen und Stoffwechselstörungen wird wohl in diesem Zusammenhang auch noch „die“ große STS Konferenz sorgen: Die beiden großen Fachgemeinschaften EASST (European Association for the Study of Science and Technology) und das amerikanische Pendant 4S (Society for Social Studies of Science) veranstalten im Oktober in Kopenhagen ihr gemeinsames Annual Meeting unter dem Titel „Design and displacement – social studies of science and technology”. Wer sich einen Überblick verschaffen möchte, was die europäische und amerikanische STS umtreibt,kann sich hier einen Überblick (?) über die 106 Open Panels, eingeteilt in 10 Subject Cluster, verschaffen.

Auch hier werde ich Möglichkeit haben, an einem Pre-Conference Workshop für PhD-Kandidaten teilzunehmen, diesmal mit dem Motto „What does it mean to you do STS at the margin?“ Diese Aufforderung habe ich sehr wörtlich genommen, und einen sehr individuellen Bericht über meine Erfahrungen im letzten Jahr geschrieben..bin schon sehr gespannt, wie und ob sich das mit anderen Doktoranden deckt. Einige Kollegen aus Kopenhagen werde ich wiedertreffen – und schon ist es da, das erste kleine Netzwerk;-). Ein Konferenzbericht folgt noch im Oktober.

Letzte Station der akademischen Sommerfrische stellt für mich der Besuch der diesjährigen SummerSchool der KIT/ITAS zum Thema „Scientific Knowledge and Transgression of Boundaries“  dar. Dank der wunderbaren Erfindung einer Bewerbung als „participant only“ darf man auch kommen, wenn man noch nichts zu sagen hat, und den fortgeschritteneren Wissenschaftsforschern beim Denken lauschen. Neben der äußerst sympathischen Entscheidung für San Sebastián als Veranstaltungsort freue ich mich besonders auf die eingeladenen Key Note Lectures, inkl. Hans-Jörg Rheinberger und Steve Fuller. Bericht folgt;-)

Workshop „Rechenzentren als Orte der Information – zur Praxeologie von Rechenzentren“

Geschlossener Workshop „Rechenzentren als Orte der Information – zur Praxeologie von Rechenzentren“, organisiert von Michael Resch (HLRS Stuttgart), Sonja Palfner (TU Berlin) und Gabriele Gramelsberger (FU Berlin)

Seit den 1970er Jahren findet ein rapider Wandel in den gesamten Wissenschaften quer zu den Disziplinen statt. Datenhaltungssysteme, Netze und Rechner formen digitale Infrastrukturen mit Hilfe derer auf der Basis von Datenbanken, Softwaresystemen und parallelen Programmierkonzepten die Wissenschaft zur Computational Science wird. Dadurch ändert sich zum einen die Architektur der Wissenschaft: Traditionelle Theorie- und Experimentalinstitute werden durch Computational Departments ergänzt. Immer größer werdende Rechenzentren und schnellere Netzwerke etablieren eine Cyberinfrastruktur (DFN, Gauss Centre for Supercomputing und Gauss Allianz in Deutschland; GEANT, EUDAT und PRACE in Europa; NSF Zentren und Internet2 in den USA), die durch nationale wie internationale Förderprogramme massiv entwickelt wird (D-Grid, HPC Software Initiative des BMBF und Exascale Software Initiative der DFG in Deutschland, PRACE und Exascale Initiative der EU, „Cyberinfrastructure Vision for the 21st Century Discovery“ in den USA).

Zum anderen ändert sich auch die Logik der Wissenschaft: Das gesamte naturwissenschaftliche Wissen wird in Algorithmen transformiert und in Simulationsmodellen zur Anwendung gebracht, um so die Beschränkung auf einfache Probleme zu überwinden. Die Systembiologie, die Strömungsdynamik oder die Materialwissenschaften sind Beispiele hierfür. Doch auch die Geistes- und Sozialwissenschaften werden zunehmend digital erschlossen (Digital Humanities). Für diese Umstrukturierung der Wissenschaften werden gewaltige Budgets aufgewandt. In Deutschland stehen bis 2015 allein für den Ausbau des Höchstleistungsrechnens 400 Mio. Euro zur Verfügung.

Die Computational Sciences verändern nachhaltig den wissenschaftlichen Blick, indem sie neue wissenschaftliche Einsichten ermöglichen, neue Wissenschaftssprachen inaugurieren und neue Topologien wissenschaftlicher Praxis hervorbringen. Aus den sich verändernden Bedingungen und Auswirkungen ergibt sich eine Fülle interdisziplinärer Forschungsfragen.

Der Workshop möchte den interdisziplinären Dialog initiieren, um die unterschiedlichen Forschungszugriffe und -dimensionen, die sich am Thema ‚Rechenzentren‘ stellen, zu diskutieren.

Datum 16.7.2012
Ort HLRS Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart