Praxeologie und Infrastrukturforschung

Am 2. und 3. Dezember 2011 fand in Heidelberg einPraxeologie-Workshop statt, veranstaltet vom SFB 933 „Materiale Textkulturen“ und der Heidelberger Graduiertenschule für Geistes- und Sozialwissenschaften. (Das Programm als PDF) Ich war eingeladen, über die Relevanz der Praktiken in der Infrastrukturforschung zu berichten.

Die unterschiedlichen Beiträge waren allesamt sehr interessant und zeigten das breite Spektrum an Forschungsfragen, bei denen der Blick auf Praktiken und Praxis eine Rolle spielt. Trotz der heterogenen Forschungskontexte haben wir einige Gemeinsamkeiten in den Fragestellungen festgestellt: Wie umgehen mit den nicht-menschlichen Akteuren? Wie kommen wir zu einer Präzisierung des Begriffes „Praxis“ oder wie lassen sich die Bedingungen systematisch analysieren, die aus individuellen Praktiken so etwas wie „Routine“ (skillfull performances nach Reckwitz) machen? Wie lassen sich Emotionalität und Intentionalität der Akteure forschungspraktisch „festhalten“?

Die Publikation eines Tagungsbandes ist für 2012 angedacht.

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Ankündigung : Vortrag am High Performance Computing Center Stuttgart

Am 01. Februar 2012 bin ich eingeladen, einen Vortrag am High Performance Computing Center Stuttgart (HLRS) zu halten. Das HLRS veranstaltet seit einiger Zeit eine Seminarreihe „Gedanken zur Information“. Ich finde es vor allem interessant, dass solch ein Rechenzentren einen Schritt in Richtung eines interdisziplinären Austausches geht. Ich würde vermuten, dass sich darin die wandelnde Rolle (wissenschaftlicher) Rechenzentren wiederspiegelt.
Auch wenn bislang die Wissenschafts- und/oder die Universitätsforschung kaum  ein Auge auf Rechenzentren werfen – ich behaupte, dass sie  die neue Zentren der Macht im Gefüge der Wissenschaften sind.  An Rechenzentren kommt schon lange eigentlich keiner mehr vorbei – auch wenn sie als „Serviceeinrichtungen“ häufig ins Unsichtbare gedrängt werden. Das gilt im übrigen nicht nur für die eh schon datenintensiven Wissenschaften, sondern auch für die Geistes- und Sozialwissenschaften die zunehmend digitalisiert werden.

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In meinem Vortrag werde ich mich mit der Sozialität von Grid-Technologie beschäftigen. Grid-Technologie-Entwicklung wurde im Rahmen der D-Grid Initiative seit 2005 durch das BMBF gefördert.

Abstract zum Vortrag „Grid: Technologie und soziale Praxis“ 

Im Rahmen der deutschen D-Grid-Initiative wurde 2004 die erste BMBF-Bekanntmachung „Community-Grids“ und „Grid-Middleware-Integrationsplattform“ veröffentlicht und ab 2005 haben verschiedene „Community“-Projekte, u. a. C3-Grid, MediGrid, HEP Grid, und das sogenannte D-Grid-Integrationsprojekt (DGI) ihre durch das BMBF geförderten Arbeiten aufgenommen (Überblick über die Projekte etwa unter http://www.d-grid.de).

Ziel der D-Grid Initiative war, wie im F&E-Rahmenprogramm zu lesen ist, nicht weniger als eine „tiefgreifende Verbesserung der wissenschaftlichen Leistungsfähigkeit und Qualität durch gemeinschaftliche Entwicklung und gegenseitige Öffnung von Arbeitsverfahren, Software, Datenbeständen, Rechnern und Großgeräten auf der Grundlage eines schnellen Kommunikationsnetzes“ (D-Grid-Initiative 2004: 3). Hervorgehoben wurden die Ermöglichung einer de-lokalisierten und auch fachübergreifenden Nutzung von IT-Ressourcen aller Art (Speicher, Daten, Services etc.) und eine damit einhergehende Befreiung des Forschenden „von informationstechnischen und administrativen Aufgaben […], damit er sich wieder stärker seinen eigentlichen wissenschaftlichen Problemen zuwenden kann“ (Schwiegelshohn 2005: 23).

Mit dem aktuellen Auslaufen der projektförmigen Förderungen durch das BMBF scheint mir ein guter Zeitpunkt gekommen zu sein, um einen sozialwissenschaftlich informierten Blick auf die Entwicklungen der letzten Jahre zu wagen. Grid, so die zu entfaltende These, ist eben mehr als eine Technologie – Grid ist auch eine Art Versammlungsort (neuer) Konstellationen der Macht im wissenschaftlichen Gefüge. Nun wird es mir nicht darum gehen, die einstigen Versprechen (Revolution, Paradigmenwechsel) mit dem Erreichten zu konfrontieren und abzugleichen. Vielmehr möchte ich im Vortrag die sozialen Dimensionen der Grid-Technologieentwicklung jenseits technikdeterministischer Lesarten zum Untersuchungsgegenstand machen, wobei der Schwerpunkt meiner Betrachtung auf der Entwicklung der Organisation von Wissenschaft und auf der Frage nach möglichen neuen soziotechnischen Verhältnissen liegen wird.

Für meine Ausführungen werde ich auf öffentlich zugängliche Dokumente zur D-Grid- Initiative und auf empirisches Material aus meinem aktuellen Forschungsprojekt „E-Science Interfaces“ über C3-Grid und TextGrid rekurrieren.

Literatur:
BMBF (2004): Bekanntmachung über die Förderung von Forschungsvorhaben auf dem Gebiet „e-Science und Grid-Middleware zur Unterstützung wissenschaftlichen Arbeitens“ im Rahmen der deutschen D-Grid-Initiative, Call 2004: „Community-Grids” und „Grid-Middleware-Integrationsplattform“, http://www.pt-it.de/pt-in/escience/docs/E-science_Call04_PTIN.pdf [11.11.11]
D-Grid: http://www.d-grid.de
D-Grid-Initiative (2004): F&E-Rahmenprogramm 2005 bis 2009, http://grid.desy.de/d-grid/RahmenprogrammEndfassung.pdf [11.11.11]
Schwiegelshohn, Uwe (2005): Middleware, in: Wissenschaftsmanagement (special). Zeitschrift für Innovation, Nr. 1, S. 23., http://www.pt-it.de/pt-in/escience/docs/WissenschaftsmanagementSpecial.pdf [11.11.11]

Tagungsbericht zur Tagung „Akademische Wissenskulturen“

Zu der Tagung „Akademische Wissenskulturen? Praktiken des Lehrens und Forschens vom Mittelalter bis zur Moderne“ auf der ich einen Vortrag zum Thema „Digital Humanities – Wissenschaft in Arbeit“ gehalten habe, ist jetzt ein Tagungsbericht erschienen:

http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=3900

Vorstellung der Begleitforschung am IBI

Gestern bekam ich die Möglichkeit, im Projektseminar „Kommunikation und Kollaboration – Virtuelle Forschungsumgebungen in Theorie und Praxis“ am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft (IBI) die Theorie und Praxis unserer Begleitforschung vorzustellen.

Die Erwartung, einen Expertenvortrag zu hören, musste ich leider gleich zu Beginn relativieren: es war eher ein Einblick in „work in progress“ einer Grenzgängerin zwischen unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen, Praxisbegriffen und Methoden. Die -sehr angeregte und konstruktive – Diskussion mit den Studierenden bewegte sich in dem Spannungsfeld zwischen Fragen nach Sinn, Zweck und Nutzung von virtuellen Forschungsumgebungen und den Möglichkeitsbedingungen des praktischen Handelns während der Entwicklung von diesen. Danke an Maxi Kindling für die Einladung!

Der Vortrag als PDF IBI_24112011_Begleitforschung

Nachtrag zum Vortrag: Embedded Audio


Hier kommt jetzt der Audio -Mitschnitt zu meinem Vortrag „Das Klimarechenzentrum – Ein generischer Ort der Forschungstechnologie des Rechnens“ auf der Tagung „Research technologies – Forschungstechnologie“ der Deutschen Gesellschaft für Geschichte der Medizin, Naturwissenschaft und Technik e.V. ( 23.09.2011-25.09.2011) an der  Universität Stuttgart gehalten:

Embedded Audio

***Einen herzlichen Dank an Gabriela Fernandes für die Bearbeitung des Audio Files!

**Und hier noc h der Tagungsbericht, veröffentlicht auf H-Soz-u-Kult!

Vorträge im September

Nach meinem Urlaub im August ging es im September wieder richtig los. Zum einen hatte ich eine Einladung auf der Tagung „Akademischen Wissenskulturen. Praktiken des Lehrens und Forschens vom Mittelalter bis zur Moderne“ der Gesellschaft für Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte (GUW) zu sprechen. Die Tagung fand am KWI in Essen vom 14. – 16. September statt.

Da es um Performanz und Praxis akademischer Wissenskulturen ging, habe ich das Verhältnis von Forschungsinfrastruktur und Forschung am empirischen Beispiel von einigen Entwicklungen, die aktuell unter dem Label E-Science/E-Research/E-Infrastruktur  gefasst werden, diskutiert. Mein Vortrag trug den Titel:

Digital Humanities – Wissenschaft in Arbeit 

Die Fragen, die mich im Vortrag beschäftigten lauteten: Was sind die Möglichkeitsbedingungen für Digital Humanities Entwicklungen? Wann werden welche Wissenspraktiken entweder als Forschung oder als Service begriffen? Wie funktioniert dieses Ordnen von Wissenspraktiken, welche Akteure sind daran beteiligt und welche Effekte sind damit verbunden?

Eine Publikation des Vortrags wird im Tagungsband erscheinen (2012). Die Tagung hat mir einmal wieder gezeigt, wie gut der historische Blick tut ;).
Zu den spannenden Vorträgen kam der wunderbare Umstand, dass die OrganisatorInnen genug Zeit für die Diskussion eingeplant hatten. Wie oft geht man auf Tagungen, die sich einem Diktat der Zeitknappheit unterworfen sehen und nach dem Vortrag kaum mehr Zeit zur Verfügung steht, miteinander ins Gespräch zu kommen. Hier hatte jeder Vortrag eine Stunde zur Verfügung (30 Min. Vortrag und 30 Min. Diskussion). Auch die Pausen waren gut berechnet und so stand das Gespräch im Zentrum der Tagung. Großartig war auch die Exkursion (Essener Dom und die Domschatzkammer, Zeche Zollverein). Das Wetter war herrlich!

Blick in die Umgebung

Zur Tagung am KWI in Essen

 

 

Einen anderen Vortrag habe ich auf der Tagung „Research technologies – Forschungstechnologie“ der Deutschen Gesellschaft für Geschichte der Medizin, Naturwissenschaft und Technik e.V. ( 23.09.2011-25.09.2011) an der  Universität Stuttgart gehalten. In der Sektion „Rechnen als Forschungstechnologie“ am 24.09.11 habe ich zu folgendem Thema gesprochen:

Das Klimarechenzentrum – Ein generischer Ort der Forschungstechnologie des Rechnens (Folien)

Abstract zum Vortrag:

Im November 1987 wurde das Deutsche Klimarechenzentrum in Hamburg als GmbH „überregionale Serviceeinrichtung“ (Rahmenvertrag §2) gegründet. Der Kairos war da: In den 1980er Jahren waren nationale und internationale Klimaforschungsprogramme ins Leben gerufen worden. Die Modellentwicklung, wie sie unter anderem am 1975 gegründeten Max-Planck-Institut für Meteorologie betrieben wurde, erforderte stetig eine wachsende Rechenleistung. Wissenschaftliche und politische Interessen (auch wirtschaftliche Interessen) schossen im Rechenzentrum für die Klimaforschung zusammen: Man  erkannte nicht nur das wissenschaftliche Potential der numerischen Modellentwicklung zur Erkenntnisgewinnung über natürliche Klimaveränderungen und anthropogene Einflüsse, sondern auch die politische Dimension von Szenarienrechnungen als Prognoseinstrumente und wissenschaftlich fundierte Entscheidungshilfen für die Politik.
Das Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT/später BMBF) war also in den 1980er Jahren bereit, in ein Klimarechenzentrum zu investieren und die Investitionen vollständig sowie den laufenden Betrieb zu 44 Prozent zu tragen. Gleich in der Anfangszeit des DKRZ schlug Klaus Hasselmann (Gründungsdirektor des MPI-M und Wissenschaftlicher Geschäftsführer des DKRZ) vor, eine operationelle Gruppe am DKRZ einzurichten. Aufgabe dieser Gruppe sollte die Unterstützung von Forschern bei der Anwendung von Modellen sowie die Anwendung von Modellen für Szenarienrechnungen zur Beantwortung gesellschaftspolitisch wichtiger Fragen sein – nicht aber die Modellentwicklung, die als wissenschaftliche Aufgabe der Klimaforscher begriffen wurde.
Kaum gegründet, entwickelte sich das Klimarechenzentrum zum Gegenstand der Auseinandersetzung über die Frage, welche Aufgaben aus dem DKRZ heraus zu bewältigen seien, was also das Wesen dieses neuen Klimarechenzentrums auszumachen habe.
In diesem Beitrag wird es anhand der Geschichte des Deutschen Klimarechenzentrums darum gehen, das Konstrukt der Serviceeinrichtung kritisch zu beleuchten. Es wird zu fragen sein, in welchen institutionellen Arrangements sich die Forschungstechnologie Computer-Simulation entwickelte und welche Probleme mit der Institutionalisierung des Klima-Rechnens einhergingen. Abschließen wird es schließlich darum gehen, das Rechenzentrum als generischen Ort der Computer-Simulation zu diskutieren.

Da ich meinen Vortrag nmitgeschnitten habe, folgt eine Audiodatei in Kürze.

Wissenschaft als Grenzarbeit

Am 14.06.11 habe ich einen Vortrag am Climate Service Center in Hamburg gehalten. Vortragsthema war: Wissenschaft als Grenzarbeit. Am Beispiel der Geschichte des Deutschen Klimarechenzentrums habe ich die Grenzarbeit zwischen „Service“ und „Forschung“ diskutiert.

Und hier sind die Folien (pdf).